Winterfütterung contra Varroabehandlung

  • Hallo zusammen,


    ich hab' da mal eine Frage. Bedingt durch die lange Hitzeperiode sehe ich mich in der Zwickmühle (wahrscheinliche andere Imkerkolleg/innen auch). In der zweiten Juliwoche (direkt nach der WM) habe ich meine Völker abgeschleudert. Direkt danach bzw. spätestens 1 Tag später habe ich eine erste Futterdosis gegeben (ca. 6-7 kg Flüssigfutter auf Stärkebasis). Jetzt möchte ich natürlich, wie in den Jahren vorher, mit der Varroabehandlung (60%ige AS, Schwammtuch von oben) beginn. Wegen der andauernd hohen Temperaturen ist mir das aber zu riskant (auch abends und mit tiefgekühlter AS). Was würdet Ihr machen:
    1. nächste Futtergabe verabreichen solange es noch so heiß ist?
    2. trotz hoher Temperaturen mit der AS-Behandlung beginnen?
    3. gar nichts und niedrigere Temperaturen abwarten?


    Viele Grüße,
    Vorgebirge

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • Hallo Vorgebirge!
    Ich würde zu 2. raten, habe es selber diese Tage gemacht und hat wunderbar geklappt...kaum tote Bienen, dafür aber tote Varroen :D .
    Aber dran denken, ABENDS behandeln!!!


    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Vorgebirge schrieb:


    3. gar nichts und niedrigere Temperaturen abwarten?


    Viele Grüße,
    Vorgebirge


    Das wäre das Unvernünftigste. In der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Die Biene" stand, dass das Apiguard eine hervorragende Wirkung hatte und bei diesen Temperaturen erste Wahl sei.
    Bei einem "Kleinimker" wird auch der höhere Preis nicht ins Gewicht fallen!
    Also zum Tierarzt, verschreiben lassen und behandeln!

  • Hallo Franz-Xaver,


    danke für den Hinweis. Habe gelesen, dass Apiguard nicht mehr verschreibungs-, sondern nur noch apothekenpflichtig ist. Mit dem 'Kleinimker' ist das so eine Sache. Wahrscheinlich bin ich das mit 11 Wirtschaftsvölkern und 12 Jungvölkern noch. Der Kostenfaktor spielt da aber schon eine Rolle. Hast Du Infos über den Preis einer Schale (muss ja 2x innerhalb von 4 Wo. angewendet werden?). Ich zögere aber auch noch, weil ich bisher mit der AS und der Schwammtuchmethode (zur Winterbehandlung dann Bienenwohl, d.h. Oxalsäure) so gut gefahren bin.


    Hallo Patrick Johannes,


    ich würde es sicher nicht bei allen Völkern, sondern bei diesen Temperaturen nur bei einigen wenigen probieren. Ist mir sonst zu riskant.


    Viele Grüße,


    Vorgebirge

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • Moin Imkers,


    nu macht Euch mal nicht so heiß! Für alle Nicht-Waldtrachtler und Standimker ist die Jahresernte eingefahren und es kommt darauf an die Bienen bei Laune und Brut zu halten ohne die gleich bis zur Verfüllung zuzufüttern. Ruhig Blut Jungs! der August wird lang und die Winterbienen sind immer die, die in den Winter gehen und nicht die die aus Eiern schlüpfen die am 15. Juli gelegt wurden. Wenn Ihr jetzt aus Sorge das Schwammtuch nicht nehmen wollt, weil es nachts auch nicht unter 20°C geht, dann wartet eben noch. Das Schwammtuch geht auch gut im August und auch im September. Und es geht auch gut bei Nachttemperaturen um die 20°C in Kunststoffbeuten.


    Wesentlich kritischer sehe ich das Behandlunghopping. Wer mit dem Schwammtuche groß und erfolgreich geworden ist soll dabei bleiben und wer wie Simon mit son Nassenheider gut klar kommt (was nun wirklich nicht ganz einfach ist :wink: ) der soll dat Dingens um Himmels Willen weiter benutzen und wessen Imkerpate OS verdampft der soll genau das nachmachen usw. Nichts ist schlimmer als Experimente und Versuche am lebenden Volk. Keinen Verghleich hat man nicht und auch kein Bauchgefühl. Aber genau das sagt einem, wenn man Mist macht oder ein Fehler passiert, den der Erstanwender überhaupt nicht bemerkt.


    Konkret: Ich würde ganz ganz langsam weiter füttern, schwappweise und auf milderes Wetter warten und dann doch in den nächsten 2-3 Wochen das Schwammtuch auflegen, 2 mal.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Also, auch ich rate zum Leipziger Verdunster, den ich dieses Jahr erstmals bei allen Völkern auch bei diesen Mördertagestemperaturen angewandt habe. Meine Praxis entsprach genau der gebetsmühlenartigen Wiederholung: abends (bei mir ab 21.00h) und 60% AS aus dem Dreisternefach.


    - Verträglichkeit: hervorragend, keine toten Bienen oder Puppen; beim ersten Bienenstand, als die AS noch richtig saukalt war, nicht mal ein Aufbrausen


    - Wirksamkeit: granatenartig, wie der Beschreiber es voraussagte (wenn man die Windel anguckt, grinst man zufrieden)


    - Preis: unschlagbar.


    - Anwenderfreundlichkeit: super; kein Kontrollieren von Verdunstungsraten, keine hektische Dochtvergrößerung, keine panische Dochtverkleinerung, keine Wirksamkeitssorge, wenn nach 3 Tagen immer noch 2/3 der Menge im Behälter statt im Volk sind, keine Tierquälerselbstvorwürfe, wenn nach 1 Tag schon 2/3 der Menge im Volk statt im Behälter sind und die vielen toten Puppen rausgeschafft werden.


    Fazit: ab jetzt nur noch LV statt LD.

  • Hallo, Vorgebirge,


    habe das Problem ganz genauso und daher Apiguard geordert. Geht ohne Tierarzt, ist aber sündhaft teuer (44 € für 10 Schalen; also 5 Völker...mein Apotheker hat da noch mal kräftig hingelangt!).


    Das 6. Volk bekommt grad AS von oben mit dem Apidea-Verdunster (130 ml auf 2 Zargen, abends appliziert, Verdunster auf 30 eingestellt).


    Mal sehen, wie das funzt...


    Melanie


    P.S. Den Nassenheider kenne ich...aber was ist denn der Leipziger Verdunster...irgendein Link mit nem Bildle?

  • Liebe Melanie,
    nimm die Schwammtücher nach der LeipzigerVerdunstungsmethode/Henry .
    Ist am einfachsten und WIRKT.
    Stoßbehandlung ist wesentlich bienenfreundlicher als Dauervergasung und weniger brutschädigend.
    Ich quäl doch meine Anfänger nicht umsonst damit! :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: Henry#s Methode.
    2ml pro Rähmchen, pro Zarge 1 Schwammtuch obendrauf.
    Also 2 Zargen mit je 11 Waben= 2 Schwammtücher mit je 22ml vorgekühlter 60%AS ABENDS oben drauf, Deckel zu, und die trockenen Schwammtücher am nächsten Abend wieder rausholen.
    Nach 6 Tagen wiederholen.
    Fertig.
     :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo melanie,


    guck ma hier

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Melanie,


    rein rechnerisch muß das klappen. Aber ob das wirklich klappt kann nur die Praxis entscheiden. Es ist ganz einfach: Wenn es wirkt liegen:
    1. Milben auf der Windel und nicht zu knapp
    2. sterbende Jungbienen (zum Teil in Teilen) vor der Beute
    3. wird das Gras vor der Beute erst weiß und dann verwelkt es.


    Du kannst also die Menge AS vorsichtig weiter erhöhen, bis Dir Dein Bauchgefühlt "Halt" zuruft. Und dann hörte auch drauf! :wink: Ich denke aber mit 33ml und zwei Tüchern kommst Du gut hin. Eher ganz Bißchen mehr. Bei der zweiten Behandlung kannste dann ja vorsichtig mehr nehmen, wenn Dein Gefühl oder fehlende Graswelke Dir sagen, daß der Wirkungsgrad zu steigern ist. Wenn die Bienen wie's wilde aufbrausen ist das nicht schlimm, wenn sie nach 10 Minuten nicht merklich aufhören oder mehr als in heißen Nächten vorlagern, dann biste hart an der Grenze zur Unverträglichkeit. Wenn Dein Herze bricht, weil sie tote Jungbienen rausschleppen und vielleicht auch ältere Brut, dann kann ich Dir nur zum Troste sagen, daß diese Bienn für die Volksgesundheit geopfert wurden und glücklicherweise am nächsten Tage das Schwammtuch schon wieder trocken ist. Mich nimmt das Sterben jedesmal mit, aber nur wenn ein paar Bienen sterben bist Du an der maxiamlen Wirksamkeit und kommst problemlos mit 2 Behandlungen hin.


    Du mußt halt mal den natürluich Fall zählen, nur der sagt alles.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin,


    der natürliche Fall sagt alles?!


    Im Deutschen Bienenjournal Ausgabe Juli 2006 gibt es da andere, einschränkende Ansichten. Seite 14.


    Viele Grüße,


    Bernhard Heuvel


    PS: Varroa ist das Symptom, nicht die Ursache.