Räuberei verhindern - sauber arbeiten: Wie geht das?

  • Liebe Imkers,
    gestern kam`s heftig zum Räubern als eine nicht ganz verdeckelte Hongwabe im offenkundig nicht bienensicheren Schuppen entdeckt wurde...die Bienen fanden sie 2 Stunden früher als; ich fand sie, als etwa 5 Millionen Bienen dort einen Heidenlärm machten :D 
    Interessant und lehrreich fand ich, daß diese Wabe in dem rund 20 m von meinem Stand entfernt stehenden Schuppen auch dazu führte, daß die Bienen des räubernden Volkes gleich massiv über meine Ableger herfielen.
    Habe das Flugloch bei den beiden verkleinert und das scheint gefruchtet zu haben (oder sie machen grad still weiter... :cry: )


    Nun heisst es ja, jeder kleinste Tropfen Honig oder Futter könne Räuberei auslösen. Nur wie verhindert man die kleinen Tropfen?


    Eine Wabe gezogen, die etwas verbaut ist - schon reißen ein paar Zellen auf und der Honig tropft unter Umständen zwei Zargen und Gitterboden weit durch bis auf den Boden.


    Ein paar Wachsbrücken abgeschabt - schon wieder etwas süße Versuchung produziert...wohin nun damit?


    Futter eingefüllt und einen Spritzer daneben...


    Habt ihr alle einen bienensicher verschließbaren Abfallkübel für Wachsreste am Stand oder wie macht ihr das? Oder geht ihr alle um Mitternacht im Schein von Flutlicht an die Bienen?
    Oder eine schwarze Katze bei Vollmond dreimal um den Kopf schwingen, Drudenfuß auf die Beute pinseln und geheime Beschwörungsformeln murmeln?


    Für Eure Tipps dankt (mal wieder)
    Melanie

  • Hi Melanie!
    Also ich habe zur Zeit beim Füttern und sonstigen Aktionen an den Bienen ne grosse Giesskanne dabei, damit wird unter den Beuten bzw. im potenziellen Spritzbereich des Futters grosszügig gewässert.
    Habe es letzte Woche einmal erst nach 20 Minuten gemacht, weil...Verplantheit :oops:...und schon ging die Räuberei los, da aber die Fluglöcher klein genug waren hatte es sich flott wieder gegeben, aber ein Schrecken wars schon für mich :-?
    Anfallende Wachsreste werden von mir nach dem Bearbeiten der Völker einfach mitgenommen und kommen in den Kompost (verbuddeln!!!) oder sonstwo bienendicht hin.
    Hoffe das hilft.
    Gruß Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo, Melanie,


    was bei mir augenscheinlich hilft: die Völker zuwachsen lassen. Anfangs bin ich da immer mit der Sichel an das Gras und die Brennesseln rundrum, damit's ordentlich aussieht. Inzwischen mache ich das bewußt nicht mehr, insbesondere im Sommer. (Allerdings habe ich bis auf eins die Völker auch nicht im Garten). Ich hatte mich letztes Jahr bei einem Volk mit der Füllhöhe des Adamfütterers vertan. Locker ein halber Liter Sirup lief durch das Volk und den Gitterboden nach unten durch (40 cm lichte Höhe unter der Beute). Gleich nebenan stand eine Wuchtbrumme von vital-aggressivem Volk. Trotzdem keine Räuberei. Vielleicht war's auch Glück, aber bisher ist bei mir noch nie geräubert worden. Und an den Anblick im Gras versteckter Fluglöcher habe ich mich gut gewöhnt.


    Viele Grüße, Johannes

  • Moin Johannes,


    nach Jahren ohen jede Räuberei kommt irgendwann der Moment, da eignet sich Deine Arbeitsweise aus irgendeinem Grund für's Räubern. Vielleicht erntest Du stärker ab oder Du triffst den Trachtschluß genauer oder der Honig duftet in dem Jahr besonders stark oder die Sonne steht im Osten, Dein eigenes Weibchen zwinkert Dir in einem ungünstigen Momente zu oder ein anderes :wink: oder, oder, oder. Und dann geht es schneller als Du gucken kanns.


    Gestern bei mir wieder und es nervt langsam. 0-Tracht (zum Glück kommt das Springkraut und die Euodias gehen gerade auf) und ich räume die Problemvölker am Stand ab, um die mit der Auffütterei zu Bißl Brut zu locken und AS vorzubereiten. Normalerweise stelle ich eine FZ unter die Zargen mit den abgenommenen HW (ich will den kleckerhonig nicht im Gras haben und die Ameisen nicht im Honig. Diesmal war's eine ohne Gitter. :cry: Aber sie stand ja im Grase. Also eigentlich dicht, dachte ich :cry: Keine Stunde später hatte ich dort Bienenflug als hätte ich ein weiteres Vollvolk da. Der Nachbar hat ja auch noch Bienen. Zum Glück waren alle Fluglöcher schon eng und die schwachen EWK's schon abgeräumt. Ich konnte die Waben, die schon nach einer Stunde unbemerkter Räuberei merklich leichter waren, nur auf den L laden und im nahen aber dunklen Wald erneut abschütteln. Es waren nur 3,5 Zargen und ging Ruck-Zuck, wie immer im Dunklen.


    Ansonsten ist Abspülen der Beuten mit Wasser die einzige Chance. Selbst Handabdrücke "vom klebrigen Finger" werden sonst zu Bienenhaufen mit sich gegenseitig bis zum Tode bekämpfenden Bienen.


    Also wirklich immer an Räuberei denken, wenn die Felder Stoppel haben und nix mehr blüht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder