Amiland & wilde Bienen & Varroa

  • So, meine Lieben,
    ich hab heute eine interessante e-mail von einem Berufsimker aus den USA bekommen.
    Er wohnt in Pennsylvania, wo es an wilden Bienen keinen Mangel hat.
    Er hatte 1992 als Profi angefangen, und ab 1995 kam die Varroa.
    Bei sich im Dorf hatte er bis dato pro Saison etwa 30-35 Schwarm-Einsammel-Aufträge.
    Ab 1995 null.
    Nirgendwo mehr Schwärme von wilden Bienen.
    1999 kamen die ersten Anrufe, nur 2 oder 3.
    Seit 2003 sind es wieder 30-35.
    Seine Reaktion?
    Er hat seine komplette Imkerei 2001 auf kleine Zellen und 2003 auf wilde Bienen umgestellt, auch auf kleinen Zellen, und ohne jede Behandlung nicht mehr als die üblichen Winterverluste von max.10%.
    (ich kenne ihn aus diversen Mailinglisten schon Jahre; würde er lügen, wäre er schon sehr lange aufgeflogen, um hier mal Spekulationen vorzubeugen).


    Sprich, die wilden Bienen haben knapp 8 Jahre gebraucht, um sich anzupassen und ihre alte Bestandsdichte wieder herzustellen. Ohne jeden Eingriff von Menschenhand.


    Wir sind im 28. Jahr seit Varroa, und was ist unsere Situation? :evil:


    Das bestätigt meine Theorie, daß man damals nur hätte die Füße stillhalten müssen, und das Problem hätte sich von selbst gelöst.
    Den Berufsimkern Ausfallentschädigungen zu zahlen wäre gewiß billiger geworden als der Aufwand, der bis jetzt betrieben wurde, wenn man damals schon was von kleinen Zellen gewußt hätte.


    Eure Meinung?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,


    nette Geschichte. Wie ist es aber mit den eingesammelten Schwärmen? Stammen die aus der feral population oder sind es nicht doch Schwärme der behandelten Population? Das stimmt mich momentan nachdenklich.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Nein, nach seiner Aussage ganz eindeutig feral bees.
    Keine der "normalen" Rassen, sondern dieselben ferals, die er vorher schon öfters eingesammelt hatte.
    Definitiv keine Kreuzungen mit Carniolans oder sonstigen "strains".
    Kleine fiese (teilweise) Biester, eindeutig als feral zu erkennen.
    Das war das erste, was ich ihn auch zurückgefragt hatte. :wink:


    edit: er sagt, sie waren damals so stark betroffen, daß es fast auch keine normalen Schwärme gegeben hätte. Er hat im ersten Jahr, bevor er wußte, was da los war, 720 von 800 verloren. Da war nix mit Schwärmen wegen Ablegerbildung, mehrere Jahre lang.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ja, was meint Ihr zu der Variante in D,


    seit 13 Jahren keinerlei V-Behandlung, auch keinen Drohnenschnitt,
    bei inzwischen mindestens ortsüblichen Erträgen und nur ortsüblichen
    Verlusten!


    Auch Erfahrungen mit kleinen Zellen liegen vor, und das mit einer dafür
    prädestinierten Linie: eindeutig negativ, gegenüber den Schwestern auf
    Normalzellen.


    Das sind hiesige Erfahrungen; tut mir leid, Sabine, da hilft keine
    Reputation auf einem anderen Ende der Kugel!


    Gruß


    Manne

  • :lol: Macht ja nix.
    1. es gibt keine "dafür prädestinierten Linien" für 4,9er; letztendlich können das ALLE, wenn auch manche eher mit dem Zwischenschritt der 5,1.
    Die Sachsen-Carnis haben es auf Anhieb mit Kußhand geschafft, und die Dunklen auch.
    2. ist ja wunderbar, wenn das so klappt, freut mich!
    3. wie hoch ist die Bienendichte in jener Region? Wenn es aufgrund niedriger Bienendichte kaum passieren kann, daß Varroen per Blüte "umsteigen" können, ist schon mal ein Faktor minimiert. Dasselbe gilt für die Drohnendichte; schneiden alle anderen, wirst du keinen Zuflug von varroatragenden Drohnen haben.
    Das muß nicht unbedingt viel ausmachen, aber wenn dir das Wasser schon bis zur Oberlippe steht, nimmt dir der nächste Zentimeter die Luft.
    4. wie groß war der Anfangsbestand, wie hoch die Verluste, und wie viele Jahre hat es gedauert?


    Wenn du meinst, daß mich das irgendwie ärgern würde, liegst du völlig daneben.
    Nur kommt ja hier keiner mit Daten und Fakten aus dem Quark, im Gegensatz zu Amiland.
    Hier muckelt ja jeder vor sich hin und hält sich an die Devise von bisy: mach sie bloß nicht zu schlau.
    Ich freue mich über jeden, der Erfolg hat. Egal, ob mit oder ohne kleine Zellen.


    Bloß geht es in diesem Thread grundsätzlich um was anderes, als was du angesprochen hast, falls du das nicht gelesen hast.


    Es geht um die Wild(Honig)bienenpopulation und ihre Veränderung.
    Wir haben hier keine wilden Honigbienen (mehr) und können somit auch keine Zellen messen.
    Und die Frage war, kann sich eine gegebene Population tatsächlich innerhalb eines so kurzen Zeitraums vom fast völligen Zusammenbruch wieder zum alten Bestand entwickeln und gleichzeitig so schnell tolerant werden?


    Weil vom Zusammenbruch bis zur Wiederherstellung wird ja schon mal 2-3 Jahre, eher 4-5 gedauert haben, also muß die Anpassung mit rasender Geschwindigkeit erfolgt sein.
    Biologen an die Tastatur! :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    die Geschichte über die Anpassung der wilden Bienen in Pennsylvania hört sich gut an. Glauben wir sie erst mal. Es ist auch egal, ob Kleine Zellen da eine Rolle spielen oder nicht.


    Um zur Anpassung einer Population an einen Parasiten zu kommen: Entscheidend ist die Vielfalt seines Genpools. Nur damit sind vielfältige Reaktionen = Veränderungen möglich. Eine Wildbienenpopulation mag diese Vielfalt noch haben.
    Unsere durchgezüchteten Zöglinge jedoch? Ich denke da an die Empfehlung "Züchte nur von der Besten" - und schon wird der Genpool drastisch eingeschränkt.
    Der Gedanke, daß eine Bienen, die aus vielen Rassen kombiniert wurde, da Vorteile hätte, wurde ja schon geäußert.
    Merkwürdig ist nur, daß trotz etlicher vergangener Jahre nur wenig zu hören ist.


    Grüße, Thomas

  • Moin, Thomas,
    [quote]Merkwürdig ist nur, daß trotz etlicher vergangener Jahre nur wenig zu hören ist. /quote]
    Nö, gar nicht merkwürdig.
    Du liest doch hier genug von Leuten, die ganz klar sagen, was sie machen würden, wenn sie wüßten, daß jemand in ihrer Nähe nicht behandelt.....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Könnten es nicht auch geografische Gegebenheiten sein?
    Ich meine gute Tracht , viele Höhlen usw damit die Schwärme auch wild
    noch überleben können um sich natürlich zu selektieren.
    Dazu sind wir Krautköppe doch viel zu aufgeräumt oder?
    Wir Sorgen für Ordnung und erschiessen ab und zu nen Bär.
    Aber Fussball des können wir gell?
    Gruss Jürgen

  • Nein, daran kann es nicht liegen.
    Dann wäre es ja nur in Teilen des Landes der Fall.
    Aber die Lusbys berichten dasselbe aus Arizona/Colorado/Utah, da konntest du ein paar Jahre wilde Bienen mit der Lupe suchen, und seit mehreren Jahren ist die alte Bestandsdichte wieder da.
    Wer da Bienen braucht, geht raus in den Busch und holt sich welche.
    Und angeblich sind sie nicht mal halb so stichig, wie immer behauptet wird. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Zitat

    Wer da Bienen braucht, geht raus in den Busch und holt sich welche.


    Hast du die Geo-Doku von Kastberger gesehen? Er war auf der Suche nach den "Killerbienen". Im südlichen Grenzbereich der USA gibt es Afrikanisierte und die sind nicht sehr schmackhaft. Die Lusbys arbeiten sicher nicht Afrikanisierten, oder doch? Vielleicht wirkt die Brutpause und karge Vegetation varroazid.


    Gruß
    Simon

  • Nein, das war so ziemlich die allererste Sache, die sie nachweisen mußten, daß es eben keine "afrikanisierten" Bienen sind.
    Gab damals ein Mordsgedöns darum, weil DNA-Analysen immer noch ziemlich teuer sind und irgendwie nicht klar war, wer's bezahlen mußte.
    Resultat von mehreren Uni-Laboren war aber dann eindeutig: echte "feral bees". :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Aber genau dass ist es doch.
    Die gehen raus und holen sich Bienen von wildlebenden Bienen.
    Gibts bei uns ja kaum , da keine möglichkeit zum überleben. Es gäbe bei uns auch keine mehr ohne Varroa. Die finden bei uns ab Juli doch gar nichts zum Futtern . Wie soll sich bei uns was selektieren ?
    Dabei wäre Selektion natürlich der richtige Weg .
    Super die Amys besiegen die Varroa und erhalten dafür den Beutenkäfer.
    Das Spiel geht weiter.
    Gruss vom sonnigen Bodensee.(Ein Traum wirklich)
    Wasser 23 Grad und keine Entenpest:-)


    Achsoja VIVA LA FRANCE

  • Hallo,


    Also müsste doch, Sabine, wenn man das so ließt, der einzige Schluß dazu lauten, daß jeder Imker (um so mehr um so besser ) aufgerufen sei, ein Teil (oder auch den kompletten Stand ) seiner Völker lokal zu separieren (entfällt bei Verwendung des gesamten Standes) und diese einer Nichtbehandlung :o zu unterziehen (o.K. du darfst auch sagen - einfach nicht behandeln).Nach zwei bis drei Jahren dürften den obigen Zahlen zufolge (720 von 800 Völkern)ungefähr 90 % des Bestandes der Varroa zum Opfer gefallen sein. Mit dem erkläglichen Rest wird eine neue Population aufgebaut. Diese dürfte dann etwas resistenter sein, so das mit Ausfällen von 50-60% nach weiteren 2-3 Jahren zu rechnen ist. So geht das Spiel dann weiter bis man nach prognostizierten 10,15 oder 20 Jahren eine Bienenpopulation selektiert hat die nebeneinander mit der Varroa existieren kann - ohne Einbussen an Brut oder Honigertrag hinnehmen zu müssen. :P:P ( ich glaube etwas ähnliches irgendwoh gelesen zu haben)
    Was fehlen wird ist die Akzeptanz der Imker (Berufsimker seien ausgenommen und werden passiv beteiligt) zu einem solchen Projekt. Kein Tierhalter/Zücher sieht seine Tiere gerne verenden und so werden weiterhin tausende Euronen in die Völker gepumpt , eine Auswirkung zu bekämpfen nicht aber die Ursache. :roll: 
    Vielleicht brauch es noch einige Zeit bis zum Umdenken, möglicherweise sind wir eines Tages den konsequenten "Nichtbehandlern" dankbar- oder aber wir sollten vielleicht in eine ganz andere Richtung denken???
    Wir werden sehen :o


    varroazide Grüße
    Joschi

    Unzufriedenheit ist der Motor des Fortschritts, Zufriedenheit ist der Schlüssel zum Glück.