Lagern Bienen Zuckerwasser als Honig in Waben ab?

  • Hallo Leute,


    Ich hoffe, Ihr haltet mich nicht für total bescheuert, :oops: :


    Als echter Neuling habe ich letzte Woche mein erstes Imkertreffen besucht. Dabei sagte ein Kollege halb im Spaß, das so mancher Imker so viel Zuckerwasser füttert, daß er damit bereits die erste Tracht erzeugt. :o


    War das nur ein Scherz oder lagern Bienen tatsächlich einen Teil des Zuckerwassers als Honig in Waben ab?


    Gruß,


    :o Marcus

  • :lol: hallo, Marcus,
    natürlich lagern die Bienen Zuckerwasser eingedickt ein, wie sollen sie sonst Wintervorrat schaffen?
    Du gibst ihnen Zuckerwasser 1:1 oder 3:2, und sie dampfen es ein bis auf einen Wassergehalt von 17-19%, wenn sie es nicht wie jetzt bei der Ablegerbildung sofort verfüttern.
    Zuckerwasser an sich verdirbt schnell, weil der Wassergehalt alle möglichen Bakterien, Pilze und was-weiß-ich gedeihen läßt.
    Erst wenn die Zuckerkonzentration hoch genug ist, hält er sich; das ist nix anderes als beim Marmelade-Einkochen.
    Wenn man extrem überfüttert, hat man im Frühjahr Futterwaben übrig, die man dann auch entnehmen sollte; bis auf die im Brutraum.
    Aber normalerweise passiert das selten.
    Im Winter an sich kommen die Bienen mit durchschnittlich 1kg/Monat aus, aber wenn sie anfangen zu brüten, kann der Verbrauch auch auf 6-9kg pro Monat hochgehen.
    Kritisch ist also nicht die Zeit von Oktober bis Januar, sondern ab Januar.
    Zuerst ist das Brutnest nicht größer als ein 2-Euro-Stück, aber wird dann zügig größer.
    Die Wintertraube wird nur auf eine kerntemperatur von +18°C geheizt, wenn sie brüten, muß es auf der bebrüteten Fläche konstant 36°C haben.
    Daß das mehr Treibstoff kostet ist klar, oder? :wink: 
    Laß dich beruhigen, zuviel füttern kannst du kaum.
    Aber ein Zuwenig kannst du im Februar oder März nicht wieder ausgleichen.
    Meine kriegen 2 Eimer a 14kg Ambrosia zu dem, was sie schon im brutraum gelagert haben.
    Das reicht auf jeden Fall.
    Sollte im Frühjahr was übrig sein (genug drinlassen, falls doch nochmal Frost kommt), kann man das rausnehmen und später bei der Ablegerbildung verwenden.
    Es wird also nichts verschwendet.
    Und auch nichts als "Honig" rausgenommen. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • 28 Kilo Zuckerwasser pro Volk, ist das nicht etwas viel?


    Das füttern viele, damit dann bei der Frühtracht mehr Honig drin ist.


    Nur dieser Zuckerwasserhonig hat halt kein Aroma!


    mfg.
    happybee

  • :lol: Nicht 28kg Zuckerwasser, sondern fertig invertiertes Futter, wo die Bienen nur noch ein paar Prozent Wasser rausholen müssen.
    Ambrosia (von Nordzucker) hat 79% Trockenmasse, entspricht also 22,4kg reinem Zucker.
    Und wie gesagt, überschüssige Futterwaben kann man rausnehmen.
    Wobei manche Imkers dann drei Wochen später genau diese Futterwaben wieder vorgewärmt reinhängen müssen, weil das Frühjahrswetter mal wieder absolut besch...war, die Bienen aber trotzdem durchbrüten.
    Ich kenne aber wirklich keinen, der Futterwaben mitschleudert, denn die hängen ja nun mal unten im Brutraum, und da geht eigentlich keiner dran.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Doch,


    es wird Zuckerwasser geschleudert. Leider. Oft aus Unwissenheit aber auch oft aus knallharter Berechnung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • :evil: So bescheißen würde ich meine Kundschaft nie.
    Ich will morgens noch in den Spiegel gucken können.


    Im Ami-Forum regen sie sich übrigens gerade gewaltig auf über etwas, was "Texas Honey Blend" heißt, als Plaste-Honigbär mitten zwischen dem echten Honig steht, und laut Zutatenliste grade 5% Honig enthält, der Rest ist Zucker in verschiedensten Formen....
    Verstößt damit auch gegen amerikanisches Lebensmittelkennzeichnungsrecht, aber versuchen kann man es ja mal......Nett, gell? :evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Henry schrieb:

    Doch, es wird Zuckerwasser geschleudert. Leider. Oft aus Unwissenheit aber auch oft aus knallharter Berechnung.


    Vorigen Sommer war ich in der Lüneburger Heide in einer Korbimkerei. Der alter Herr erzählte mir, wie schön es doch früher war. Da hätten sie die schwachen Völker vor dem Abtrommeln noch mit Zuckerwasser aufgefüttert.
    Bloß sein "Heidehonig" schmeckte auch letztes Jahr irgendwie ein bißchen nach Zuckerwasser.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Zusammen,
    Zuckerwasser in Form von Futter kann nur auf einen Weg in den Honigraum gelangen.
    Umhängen von Waben aus dem Brutraum in den Honigraum!
    In großen Mengen.
    Umtragen ist vernachlässigenswert.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo,


    Futter wird genug und oft geschleudert, da muss ich Henry recht geben, bei zweiraum Überwinterung bleibt so was nicht aus.
    Da ich nur auf einer Zarge überwintere kann mir so was nicht passieren, die zweite Zarge enthält keine Futterwaben.


    Mir kann jemand was anderes erzählen aber in der Praxis sieht es nicht anders aus.

  • Meine Futterwaben aus der 3räumigen Überwinterung haben BR Größe, meine Honigwaben sind halbhoch.
    Wie soll ich da was umhängen oder verwechseln können? :o
    Also keine Chance, daß Futter in den Honig kommt.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,
    Hallo Zusammen,
    ja, bei Dir ;
    und bei denen, die auch unterschiedlich große Rähmchen benutzen.
    Aber allgemein wird ja die Austauschbarkeit der Rähmchen hierzulande gefordert.
    Das nicht nur wegen Bauerneuerung.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,

    Lothar schrieb:

    Aber allgemein wird ja die Austauschbarkeit der Rähmchen hierzulande gefordert.
    Das nicht nur wegen Bauerneuerung.


    Gehst Du da nicht ein bißchen zu weit? Das hört sich ja so an, daß die Austauschbarkeit der Rähmchen zwischen BR und HR auch gewünscht wird, um Futter schleudern zu können.
    Da gibt es eleganter Methoden, zu betrügen.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,
    Hallo Zusammen,
    so so, es gibt also noch andere Wege zu betrügen.
    Dabei rede ich nicht von Betrug, sondern von der Möglichkeit das man mit dem praktizierten Umhängen der Brutwaben in den Honigraum auch das Winterfutter mit hochhängen könnte.
    Die anderen Tricks musst Du uns mal verraten.
    Viele Grüße
    Lothar

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