Sie wollens schon wieder machen...

  • Am 9.6. ist der erste Schwarm abgegangen und heute habe ich wieder die "Ruhe vor dem Sturm" bemerkt: Das ganze Flugloch dicht umlagert von Bienen und wieder mal ein egentümlicher Geruch...da will wohl morgen ein Teil stiften gehen. Dabei hatte ich heute kräftig Schwarmzellen geschnitten; offenbar aber wohl nicht alle.


    Hmmm, was tun - bringts denn, heute abend noch mal ran nzu gehen und rumzuschnippeln oder ist da womöglich schon eine Dame am Rumkrabbeln die dann so oder so abdüsen wird?


    Hach die machen mich noch waaaaaahnsinnig...diese Schwärmerei...



    Melanie

  • Moin Melanie,


    hast Du wirklich alle Waben abgestoßen?


    Nur drüberkucken hilft nicht. Sie müssen zwar nicht ganz bienenfrei sein, aber unter drei Bienen kann sich so ein Weiselnäpfchen schon gut verstecken. Wenn Du also überhaupt Brechen und Hoffen willst, dann mußt Du auch abstoßen, sonst kannst Du's ganz lassen. Dann mußt Du auch nicht 21 Waben ansehen, wenn auf einer doch 'ne Zelle wartet.


    Das ist schmerzliche, weil ganz eigene Erfahrung. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Melanie,


    da ich bisher deine Geschichte noch nicht verfolgen konnte, habe ich natürlich tausend Fragen:
    Eine lautet:
    Handelt es sich um dasselbe Volk? Wenn ja, wird es wohl ein Nachschwarm werden. Ob Du es jetzt noch verhinder kannst? Wahrscheinlich nicht, denn es ist nicht klar ob nicht doch schon eine (oder mehrere) Jungkönigin(nnen) im Volk herumläuft.


    Wer keine Schwarmimkerei betreiben möchte, muß narürlich schon seine ganze Betriebsweise darauf abstimmen, und mit einer schwarmträgen Biene arbeiten. Junge Königinnen im ersten Wirtschaftsjahr sollten demnach nicht schwärmen wollen, falls der Imker(in) seinen Beitrag angemessen beigetragen hat: rechtzeitig Raum geben (es gibt dabei kein zu früh, immer aber ein zu spät!), den Bienen Arbeit geben (ein gutes Volk schafft 5 Baurahmen und 15 MW in der Saison!), Ableger mit verdeckelter Brut bilden (=schröpfen und zwar rechtzeitig!). Und nur von den Völkern nachziehen, die auch im zweiten Jahr keine Anzeichen von Schwarmtendenzen zeigen. Dr. Liebig hat das Kriterium aufgestellt: Ein Volk, das schwärmen will, fällt für die Nachzucht aus!


    Entdeckt man bestiftete Weiselzellen an den Wabenrändern, muß sofort gehandelt werden: entweder Königin raus (Königinnenableger) und alle, bis auf eine Zelle brechen. Alle Zellen heißt, alle Waben müssen bienenfrei geschüttelt werden, damit man keine übersieht! Auch im Boden ist nachzusehen, kommt zwar selten vor - aber ...


    Oder man bildet einen Flugling: Zarge mit Futterwabe MW und Waben sowie einer Wabe mit jüngster Brut wird an die Stelle gestellt, an der das alte Volk bisher stand, günstig ist es, den Boden und das Anflugbrett zu belassen. Das alte Volk wird etwas bei Seite gestellt. Nun hofft man, dass bei gutem Wetter alle Flugbienen sich in den nächsten Stunden und Tagen in dem neuen Kasten sammeln. Geht also nur bei gutem Wetter und wird morgens erstellt!


    Die Idee lautet: Wenn einem Volk die Flugbienen abgehen, wird es nicht schwärmen. Im alten Volk sind die Zellen zu brechen und nach 7 (nicht 9 - da kann alles schon wieder zu spät sein) Tagen nochmals zu kontrollieren.
    Spätere Rückvereinigung möglich ...


    Liebig wählt den ausgefallen Weg - offensichtlich mit Erfolg: er schüttelt solange, bis die Bienen keine Lust mehr haben, zu schwärmen oder neue Tracht ihm zur Hilfe eilt. Ob das allerdings einem Anfänger zuzumuten ist bleibt fraglich.


    Fluglinge zu bilden, gibt es in unzähligen Varianten, einige sind auch hier im Forum zu lesen.


    Viele Grüße und viel Erfolg
    Christoph

  • Hallo, Christoph,
    in Kürze zu meinem "Schwarmvolk":


    Ich habe am 11.5. einen Flugling davon gebildet als die ersten Schwarmzellen sichbar wurden. Allerdings habe ich diesen mit der Schwarmzellenwabe bestückt und nicht mit der alten Königin.


    Am 8.6. war das Volk dann erneut "auffällig" und es zeigten sich tatsächlich wieder Schwarmzellen. Also habe ich gleich einen dicken Anleger gebildet - leider hatte ich die alte Königin nicht gefunden und da hat dieser Ableger trotz 4 Waben voller Brut und Jungbienen zzgl. einiger abgestreifter Waben wohl nicht gereicht denn am 9.6. ging dann doch noch ein Schwarm ab.


    Und jetzt, am 12.6., wieder diese Unruhe - da sind wohl trotz heutigen WZ-Brechens noch welche drin gewesen. Gebe auch zu, daß meine Kontrolle nicht so toll und gründlich war...


    Dumm das; werde morgen mal schauen ob ich den Schwarm wenigstens erwischen kann! Und wieder was gelernt; nächstes Mal würde ich wirklich so lange suchen bis ich die alte Königin habe und mit der einen Flugling bilden. Ist wohl die beste Strategie. Und besonders schwarmträge scheint mir diese Linie wohl auch nicht...vielleicht sattele ich doch mal auf Buckfast um...oder kann mir jemand einen Tip für nen Züchter wirklich schwarmträger Bienen fürs Berliner Klima empfehlen?


    Melanie

  • Buckfastbienen vom Herrn Brauße.
    Anschrift: Imkerei & Fahrradverleih Brauße
    Dorfstr. 2
    14959 Blankensee
    Telefon: 033731 - 80026
    Dürfte nicht soooo weit von dir sein. Aber ich kenn sonst keinen in der Gegend.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Melanie,


    eine kleine Bemerkung, damit es keine Verwechselung gibt: ein Flugling wird in der Regel ohne Königin gebildet (außer ich mache einen Kustschwarm oder Schwarmvorwegnahme), ein Königinnenableger immer mit (wie der Name schon sagt).


    Damit das alles nicht so großspurig klingt, jedem Imker gehen Schwärme ab, und es gibt viele, die sich an diesem Schauspiel auch erfreuen: Ein starker Schwarm Anfang Mai kann schon noch in der Haupttracht etwas bringen.


    Aus diesem Schwarmgeschehen kann man auch etwas lernen, nämlich den "umgezähmten Lauf der Natur" und das Verhalten der Bienen in ihrer natürlichen Entwicklung. 8)


    Gruß
    Christoph

  • Hallo Melanie,
    auch wenn mein Beitrag sachlich nichts zu deiner Problemlösung beiträgt: Ich bin beruhigt, nicht allein zu sein! 8) 
    Ich hab bei meinen Völker und der ganzen Schwärmerei auch das Gefühl: Machst Du was, ist es falsch, machst du nichts - das selber Ergebnis!!! :wink:


    Gruß
    Ralph

  • :o Ähm, hallo, Christoph,
    wenn eine Biene im 2. Jahr noch keinerlei Schwarmtendenzen zeigt, wenigstens einmal kurz, dann fange ich aber an, mir um ihre grundsätzliche Vitalität Sorgen zu machen.
    Der Schwarmtrieb ist so elementar wie Hunger und Durst, und den komplett wegzuzüchten, ist ein Holzweg.
    Da muß man ganz klar differenzieren zwischen schwarmträge und völlig ohne Instinkte, ist meine Meinung dazu.
    Ich rede keinesfalls der Schwarmimkerei das Wort, das wären unhaltbare Zustände, aber wenn ein Volk nicht mal mehr zeigt, daß es seinen tief in den Genen verwurzelten Bedürfnissen nachkommen will, wie gesund ist das dann noch?
    Dasselbe gilt für die Sanftmut.
    Ich will keinesfalls Stecher, aber zuviel Sanftmut ist von Übel, weil sie sich dann auch nicht mehr vernünftig verteidigen, gegen Räuberei oder auch Mäuse... :roll: 
    (ich hatte dieses Frühjahr (Anfang März) ein Waldvolk, das saß oben links auf vier Waben, völlig verschreckt, und unten rechts war über drei Waben ein Mausenest, mit vier Jungen....(trotz Gitter im Flugloch, man war von unten gekommen).
    Das waren Buckis mit einer 6 für Sanftmut, und das ist eindeutig zuviel des Guten.
    Da könnte ich zwar nackt ohne Stich drangehen, aber das ist mir wieder zu zahm.
    Bei zwei Anatolica-Völkern hab ich auch Mausnester gefunden, und Löcher im Boden, aber die Mäuseleichen lagen gleich daneben. Die haben nur eine 4, aber verteidigen sich anscheinend entschieden besser.
    Mit dem Schwarmtrieb ist es dasselbe. Ich will schon sehen, daß sie noch wollen, aber sie sollen es nicht unbedingt durchziehen. Das ist dann die eierlegende Wollmilchsau, aber gottseidank kriegen wirklich gute Züchter diesen Spagat immer wieder hin.
    Da kann natürlich auch die Standbegattung ihr Teil beitragen; ein Heterosiseffekt ist immer sehr belebend für ein Rassetier.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • @ Christoph,
    hmmm, was spricht denn dagegen, einen Flugling mit der Königin zu bilden? Einfach die alte, etwas Brut aller Stadien und eben die Flugbienen? Klappt das denn nicht genauso gut? Oder denk ich da grad falsch?


    Hätte doch den Vorteil, gleich zwei Schwamrverhinderungsmaßnahmen zusammen einzusetzen...



    Melanie

  • Mangelnde Versorgung der frischen Brut, weil zuwenig Jungbienen da.
    Wie Henry schon schrieb, die Harmonie geht da flöten.
    Würdest du auf Flachzargen imkern, wäre es einfach: ganze Zargen als Ableger, egal ob mit Königin oder ohne.
    Nix Waben umhängen und sortier (ja, ich kenn das auch, zu viele Drohnenwaben für vernünftige Ablegerbildung*ggg*), sondern Boden, Zarge, Deckel, auflad, wegfahr, fütter, aufsetz, wachsen laß.Klappt immer. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,


    wir hattens schon einmal davon hier im Forum. Vielleicht habe ich da auch eine sehr eigene Vorstellung und meine Ansprüche an Zucht der Honigbiene sind sehr hoch. Ich bin mir in der Tat bewußt, dass wir mit unseren Zuchtbemühungen den natürlichen Trieben und Instinkten der Biene kräftig auf den Leib rücken. Ich sehe aber nicht, dass das unbedingt auf Kosten der Vitalität und Gesundheit der Völker gehen muß. Außer jemand definiert Vitalität mit hohem Abwehrverhalten und Schwarmtriebigkeit.


    Auch bin ich der Auffassung, dass ich fast jede Biene zum Schwärmen bringen kann, in dem ich z.B. den Raum verkleinere; andersherum versuche ich gerade mit entsprechender Betriebsweise erst gar keine Lust dazu aufkommen zu lassen.


    Und was die Sanftmut angeht; da ist meine Position ja bekannt - da geht nichts drüber. Das ich bei meiner Auswahl geringere Honigernten oder insgesamt schwächere Völker hatte, kann ich im Vergleich zu meinen Imkerkollegen in der Gegend gerade nicht sagen.


    Zum Thema Gesundheit: Auch das ist natürlich ein wichtiges Kriterium (seit Jahren habe ich keine Winterverluste!)


    Grüße
    Christoph

  • Melanie,


    Sabi(e)ne hat die Antwort schon gegeben. Darüber hinaus hat man da schon wieder son Mischmasch. Schwarmlustige Bienen, paar Junbienen, Brut - nicht viel, nicht wenig, obendrein noch die Königin, die schon auf Diät sitzt. Und ein weiseloses Altvolk (Wirtschaftsvolk), denn dieses soll ja, wenn der Schwarmtrieb abgeklungen ist, bei der nächsten Tracht noch Honig eintragen.


    Wenn, dann einen klaren Schnitt!


    Gruß Christoph

  • Hallo, Christoph,

    Zitat

    Außer jemand definiert Vitalität mit hohem Abwehrverhalten und Schwarmtriebigkeit.


    genau das tue ich ja nicht.
    Aber schau dir bei den Säugetieren an, was der Mensch da zustande bekommen hat.
    Es gibt Hunderassen, die man nur noch mit Kaiserschnitt entbinden kann, weil sie zu klein gezüchtet wurden, und andere, die aufgrund ihrer Anatomie nicht mal mehr selbst ihre Jungen zustandebringen.
    Der allerneueste Schrei ist die patentierte allergenfreie Nacktkatze... :evil: 
    Aber bei den Bienen muß schon ein gewisses Abwehrverhalten und der Beweis da sein, daß sie jederzeit retardieren könnten...*gg*

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • zellen brechen, königin raus gut ist...


    Vitalität sollte auf jeden Fall da sein...ich möchte den Nektar nicht selber einfangen und beim Pflegevolk ist es auch nicht eine ganz so schlechte eigenschaft