Obstbauern und Imker

  • In der Juniausgabe der Zeitschrift des Obstbauversuchsringes Jork erschien ein Artikel zum obigen Thema:


    Obstbauern und Imker


    Klaus Maresch, Imkerei Honighäuschen, Königswinter


    Das mit den Bienen und Blumen... ist eine altbewährte, in der Natur seit 65 Millionen Jahren eingespielte Partnerschaft, die sich auch der Mensch in Gestalt von Imker und Obstbauer zu nutze macht. Diese Partnerschaft funktioniert auf der Basis des beiderseitigen Gebens und Nehmens, die Biene bringt von Blüte zu Blüte den Pollen, der für die Befruchtung nötig ist und erhält dafür einen Teil des Pollens, aber auch Nektar für die Eigenversorgung.
    Der Imker, der an der optimalen Versorgung seiner Bienenvölker zwecks Honigernte und Erzeugung anderer Imkereiprodukte interessiert ist, und der Obstbauer, der um die positiven Auswirkungen gut befruchteter Blüten auf die spätere Fruchtbildung weiß, haben da eine Schnittmenge an gemeinsamen Interessen. Ohne Bienen geht es nun mal nicht, wenngleich Apfelblüten nicht so hundertprozentig auf Bienen angewiesen sind, so sieht die Ernte bei Kirschen und Pflaumen ohne Bienen doch ziemlich bescheiden aus.
    In den letzten Jahren ist die Imkerei zunehmend von einer Krise betroffen. Die Zahl der Bienenvölker und der Imker geht massiv zurück, und es fehlen zunehmend Bienenvölker für die Bestäubung. Diese Krise hat verschiedene Ursachen. Bei den Imkern ist es die zunehmende Überalterung, das Durchschnittsalter liegt jenseits der 60, und Nachwuchs kommt kaum. Auch die Struktur der Imkerei lässt zu wünschen übrig. Wenige Imker nur bewirtschaften Völkerzahlen, die es ermöglichen, dass der Obstbauer „seinen“ Imker anruft und ihm mitteilt, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt für seine Plantage 100 Bienenvölker zur Bestäubung braucht. Oftmals muss er versuchen, mehrere Imker zu finden, um auf die benötigten Völkerzahlen zu kommen.
    In den Medien geistert das Stichwort „Bienensterben“ herum, wer zum Thema im Internet „googelt“, findet reichlich Beiträge, die sich mit den hohen Verlusten der vergangenen Winter beschäftigen, für die es keine letzthin befriedigende Erklärung gibt. Seitens der Bieneninstitute wird auf die Varroose verwiesen, eine parasitäre Milbe, die den Bienen seit den späten 80ern zu schaffen macht und ohne Behandlung zum Totalverlust führt. Auch die zunehmende Verarmung der Landschaft ist eine Ursache, mittlerweile gibt es Studien, die nachweisen, dass es Bienenvölkern in der Großstadt Paris besser ergeht als in einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung. Weitere Erklärungsversuche liegen in der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln, bei denen auch die Landwirtschaft wieder ins Spiel kommt.
    Natürlich weiß auch der Imker, dass kein Landwirt aus Spaß an der Freud Pflanzenschutzmittel einsetzt. Schließlich kosten auch Pflanzenschutzmittel Geld und sollen die Pflanzen vor Krankheiten und Schaderregern schützen.
    Imker sehen auch die Definition des Begriffes „bienenungefährlich“ als auf der LD50-Dosis beruhend (Anmerkung der Redaktion: LD50 ist ein Maß für die akute Giftigkeit (Toxität) einer chemischen Substanz, aus Sicht des Tierschutzes fragwürdig), und da ist es alles andere als beruhigend, wenn man weiß, dass damit eigentlich nur geregelt ist, wann und nicht, ob mit einem so gekennzeichneten Mittel kontaminierte Bienen an diesem sterben oder geschädigt werden. Imker betrachten auch zunehmend die damit befassten Forschungsstrukturen mit einem gewissen Misstrauen, wenn sie sehen, dass die Bienenforschungsinstitute Förderung durch die Hersteller der Mittel in Anspruch nehmen, deren Produkte sie kritisch und neutral untersuchen sollen.
    Leider ist es anscheinend unumkehrbar notwendig, dass Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Nicht ganz unschuldig ist der Verbraucher, der, aus welchen Motiven auch immer, alles so billig wie möglich und nicht so preiswert wie nötig haben möchte. Der Verbraucher weiß auch nicht, was „bienenungefährlich“ ist. Er weiß auch nicht immer unbedingt, was hinter dem Produkt an Leistung steht, das er in Händen hält.
    Beim Imker kostet ein Glas mit 500g Frühlingsblütenhonig 4,50 €, bei entsprechenden Discountern bekommt der Kunde die gleiche Menge Honig schon für 1,29 €. Wenn der Kunde nach Aufklärung fragt und ihm die Hintergründe erklärt werden, dass auf dem Weltmarkt das kg chinesischer Honig für 0,65 2 zu bekommen ist – wofür in Deutschland noch nicht einmal das leere Glas erhältlich ist – aber auf der anderen Seite nachgewiesenerweise in solchen Honigen auch Antibiotikamengen nachgewiesen werden, die fast schon den bekannten Hinweis auf Arzt und Apotheker erfordern. Der einzige Hinweis „Honig aus EU- und Nicht-EU-Staaten“ lässt den Kunden da nicht wirklich aufmerksam werden.
    Der Deutsche Berufsimkerbund hat dieses Jahr dem Landkreis Stade wegen der massiven Behinderung der Bieneneinwanderung den „Schwarzen Pinsel“ verliehen, um auf unnötige bürokratische Hürden hinzuweisen.


    Es gibt viele offene Fragen und von Seiten der Imkerschaft besteht der Wunsch, zu diesen Themen mit den Obstbauern ins Gespräch zu kommen. Im Internet steht dazu das Europäische Imkerforum http://www.kunstschwarm.de mit einem Marktplatz für Landwirte, die Bienenvölker zur Bestäubung suchen, und Imker, welche diese Völker anbieten, zur Verfügung. Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und der Verein Imkerbund.org laden die Obstbauern herzlich dazu ein, in diese Diskussion einzusteigen – auf dass beide Berufe, Obstbauern wie Imker Perspektiven für die Zukunft entwickeln. Schließlich wollen beide dem Verbraucher mit Obst und Honig qualitativ hochwertige Nahrungsmittel liefern und ihm auch vermitteln, dass „billig, billig“ teure Folgen für die Gesundheit haben kann.


    Stellungnahme des OVB zum Thema Bienen und Obstbau 
    Für unser Obstanbaugebiet an der Niederelbe gibt es eine Bienenschutzverordnung, in der der Umgang mit bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln geregelt ist. Die Gebrauchsanleitung jedes zugelassenen Pflanzenschutzmittels enthält eine Information über dessen Bienengefährlichkeit.
    Die „Verordnung zum Schutze der Bienen vor Gefahren durch Pflanzenschutzmittel“ enthält folgende Anweisungen, die unbedingt zu beachten sind.


    Bienengefährliche Pflanzenschutzmittel
    ¨ ...dürfen nicht an blühenden Pflanzen angewandt werden.
    ¨ ...sind so anzuwenden, dass blühende Pflanzen nicht mitgetroffen werden, d.h. blühender Unterbewuchs ist vor der Behandlung zu mähen und die Pflanzenschutzmittel dürfen nicht auf blühende Pflanzen abtriften.
    ¨ ...dürfen auch auf nicht blühende Pflanzen im 60 Meterumkreis eines Bienenstandes während des Bienenfluges nur mit Zustimmung des Imkers angewandt werden.
    ¨ ...sind so zu handhaben und aufzubewahren, dass Bienen nicht mit ihnen in Berührung kommen können.


    Als blühende Pflanzen sind besonders Wildpflanzen (z.B. Weidenkätzchen, wilde Pflaumen, Löwenzahn, Gundermann, Taubnessel) zu beachten, die in blühenden oder in der Nachbarschaft nicht blühender Kulturen stehen.
    Zur Blütezeit genießen die blütenbesuchenden Insekten im Alten Land noch über die Bienenschutzverordnung hinaus einen besonderen Schutz. Während des täglichen Bienenfluges werden auch bienenverträgliche Präparate, z.B. zur Pilzbekämpfung oder als Blattdünger, nicht in die offene Blüte gespritzt. Das bedeutet, dass die Obstbauern des Alten Landes freiwillig auf Pflanzenschutzmaßnahmen am Tage verzichten und blühende Kulturen erst nach dem täglichen Bienenflug behandeln.
    Diese zusätzliche Einschränkung der Pflanzenschutzbehandlungen ist ein sichtbares Zeichen, dass der Bienenschutz für die Obstbauern im Alten Land einen hohen Stellenwert hat. Nach Empfehlung des Obstbauversuchsringes kann aber bei schwierigen Witterungsverhältnissen kurzfristig eine Ausnahmeregelung für die Behandlung während des Tages ermöglicht werden.
    Auch uns ist bekannt, dass seit Jahren ein stetiger Rückgang der Imkerei zu beobachten ist. Er ist durch eine starke Überalterung der Imker geprägt und könnte zukünftig zu Engpässen bei der Bestäubung führen. Auch durch Bestäubungsprämien werden die Nachwuchsprobleme der Imker nicht zu lösen sein. Besonders wichtig sind spezielle Schulungsveranstaltungen für den Imkernachwuchs.
    In diesem Zusammenhang sind die Schulungsveranstaltungen zu erwähnen, die in jedem Jahr vom Kreisimkerverein Stade abgehalten werden. Kontaktperson ist Herr von Holleufer, Tel.: 04161-82854. Im Internet sind unter http://www.imkerverein.city-map.de/ die Veranstaltungstermine des Imkervereins bekannt gegeben und zusätzlich in der November-Ausgabe unserer „Mitteilungen“ veröffentlicht.


    Abschließend ist noch anzumerken, dass die „Vereinbarung zum Schutze der Bienen...“ in diesem Jahr überarbeitet und für die nächste Saison neu herausgegeben wird, um einen optimalen Schutz der Bienen in unseren Obstplantagen zu gewährleisten.