Nachschwarm und Weiselzelle

  • Hallo,
    heute nun ist in einem vor 8 Tagen geschwärmtem Volk ein Nachschawarm gefallen. :( 
    Wenn das stimmt, dass der erste Schwarm mit der Alten das Weite sucht, wenn die Weiselzellen verdeckelt werden, bedeutet das, dass ich eine oder weitere übersehen haben muß. Oder?
    In welcher "Schwarmphase bin ich jetzt? Ist jetzt eine Jungfer mit einem Riesemschwarm (sitzt auf in ca. 15 m Höhe an einer Astgabel und hat den Anschein, als sei es ein 3 kg Schwarm) davon, weil die nächste schlüpft? Wann schlüpft die, heute morgen?
    Jetzt habe ich grad noch eine verdeckelt Zelle gefunden.
    Was soll ich mit der tun? Die ausbrechen, auf die Gefahr hin, dass diese der Grund für das Schwärmen heute war? Oder lass ich die drin und hoffe, dass in 8 Tagen nicht noch mal die Hälfte meiner Bienen verloren geht?


    Fragen über Fragen, die mich ziemlich hilflos zurücklassen... :roll:


    Kann mir einer einen Hinweis geben, was ich machen kann, bzw wie ich herausfinde, ob schon die nächste geschlüpfte Jungfer in der Beute sitzt?


    Gruß
    Ralph

  • Hallo, Ralph,
    GAR NICHTS machen!
    Wenn dein Volk vor 8 Tagen schon geschwärmt ist, ist die Alte mit weg.
    Folge: jetzt sind mehrere Jungköniginnen geschlüpft, und in deinem 3kg Bomber sind mindestens 2, wenn nicht mehr.
    Die übrige Zelle ist die Neue für das Restvolk, also Finger weg.
    Zwei Wochen warten, und dann nach Eiern gucken.
    Alles andere bringt jetzt gar nichts.
    Nicht mal durchsieben, weil Schwarmköniginnen durchaus gittergängig sind.
    Bleib einfach erst mal ruhig, und fummel nicht in der Kiste.
    Ich hab auch sehr mühsam Geduld lernen müssen, aber alles andere macht mehr kaputt als heil. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
    ok, ich mach halt mal nichts. Bis jetzt war fast alles was ich _nicht_ gemacht habe falsch, und was ich _gemacht_ habe scheinbar auch!
    Ich hoffe, dass ich irgendwann mal das Gefühl für richtig oder falsch mit den Mädels bekomme und im nächsten Jahr Honig und nicht Schwärme ernte. 8) 
    Gruß
    Ralph

  • Hallo, Ralph,
    geh mal einfach von folgender, nicht-Lehrbuch-konformer Prämisse aus:
    ab Brutbeginn im Spätwinter ist das gesamte Trachten des Bienenvolkes ausgerichtet auf mindestens einen Schwarm zur ARTvermehrung.
    Die Entscheidung dafür/dagegen fällt mit der Menge des Honigs "über Kopf" bis zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt.
    (nicht auf meinem Mist, sondern dem von Mr. Wright gewachsen)
    Ist der Schwarm raus, zum Höhepunkt der Tracht, und mit optimalen Überlebenschancen, kann man sich in Ruhe und Frieden auf den nächsten Winter vorbereiten.
    Ab da wird dann für den Vorrat gesammelt, nach einer 3-4wöchigen Arbeitspause, in der die neue Mannschaft dafür aufgezogen wird.
    Das Brutnest wird ja vor dem Schwarm nicht aus Jux und Dollerei verhonigt.
    Es soll einerseits die Alte wieder flugfähig werden, was sie nicht in voller Legeleistung ist, und andererseits muß so wenig Brut dasein, wie mit dem Restvolk noch angemessen versorgt werden kann, und drittens muß so ein Schwarm sich ja auch in Minutenschnelle auftanken, wenn es soweit ist.


    Zustand nach dem Schwarm: keine legende Königin, wenig Brut, aber genug Honig über Kopf, um jetzt mal 3 Wochen nichts zu tun.
    Vor dem Schwarm wurde auch schon 15 Tage nichts oder wenig getan, um die Bienen zu schonen für den Schwarm.(Wenig Sammelflüge, kein Aufräumen, nur das Lebensnotwendigste.)
    So, nach 8 Tagen schlüpft die Neue, braucht nochmal 8 Tage bis zur Begattung und nochmal max. 8 Tage, bis sie los-legt.
    Sie legt langsam, und gottseidank sind auch nur relativ wenige Jungbienen zur Brutpflege da.
    Das wächst normalerweise sehr harmonisch zusammen, so daß bis zum Trachtende wieder genügend Winterbienen und genug Vorrat zusammen ist, im Altvolk, wohlgemerkt.


    Im "normalem" Schwarm, der die Alte mitgenommen hat, wird losgelegt wie verrückt, man hat ja zu bauen, zu sammeln und zu pflegen.
    Die Legerate ist höher als im Altvolk, weil ja auch höherer Bedarf besteht, sie fangen ja bei Null an.
    Wenn die Brutleistung zufriedenstellend ist (und das Wetter und der Mondstand und die Tracht und was-weiß-ich-wovon-es-noch-abhängt), behalten sie die Alte.
    Ansonsten wird mit sehr hohem Risiko für den Schwarm still umgeweiselt.
    Sie behalten sie meist solange, und fern der Neuen, bis diese Neue legt.
    Das Risiko ist deshalb so hoch, weil sie nicht wissen können, ob die Neue ausreichend begattet wurde, oder auf dem Hochzeitsflug verlorengeht.
    Geht es in die Hose, ist der Schwarm verloren.


    Wenn du dir das als Grundvorausetzung für das Schwarmgeschehen klarmachen kannst, hast du alles wirklich wichtige begriffen. Und kannst entsprechend handeln.
    Jedes Jahr ist ein Schwarmjahr, ab Weihnachten/Neujahr. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin rst,


    1.

    rst schrieb:

    Wenn das stimmt, dass der erste Schwarm mit der Alten das Weite sucht, wenn die Weiselzellen verdeckelt werden,

    das stimmt aber so eben nicht, sondern am auf's Verdeckeln folgenden Schönwettertag
    2. Man kann einer Zelle nicht ansehen, wann sie gedeckelt wurde. Sie kann also, wenn Du sie siehst, zwischen gerade gedeckelt (Schlupf in 8 Tagen) oder vor 7,9 Tagen gedeckelt (Schlupf also in wenigen Minuten sein)
    3. Daraus folgt, daß ein Nachschwarm auch schon wenige Tage oder noch am selben Tag wie der Vorschwarm raus macht.
    4. Schwarmzellen sind fast alle unerschiedlich alt. Die erte bestimmt aber den frühesten Vorschwarmtermin. Theoretisch könnte das letzte Ein vor dem Vorschwarm noch in ein Näpfchen gelegt werden. Das wäre dann in 8 Tagen gerade verdeckelt und schlüpfte in 16.
    5. Täglich schlüpfen noch Bienen aus der Brut, wenn auch nicht so gigantisch viele. Die finden nach dem Vorschwarm keine Königin sondern nur eine Zelle und suchen mit der Jungfer vielleicht das Weite.
    6. Die letzte Zelle erhält vielleicht die schlechteste Pflege, weil schon weniger Bienen in der Kiste sind.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Widersprichst Du Dir da nicht, Sabi(e)ne? Bei stiller Umweiselung legen Mutter und Tochter oft eine gemeinsame Zeit, wie Du oben auch schreibst.
    Das Risiko ist also recht gering, wenn die Tochter verlorengeht - Mutter ist ja noch da.


    Grüße, Thomas

  • :o Hallo, Thomas,
    ich hab es bis jetzt nur so erlebt, daß die Alte am Tag nach dem Legebeginn der Neuen weg war, und die Alten waren immer gezeichnet.
    Das meinte ich mit hohem Risiko.
    Daß beide noch tagelang nebeneinander legen, hatte ich noch nicht, was aber natürlich nix zu sagen hat.
    Letzten Sommer war es sogar so, daß ab Verdeckelung der Nachschaffungszellen die Alten futsch waren, zumindest bei ungefähr der Hälfte. Das betrachte ich schon also heftiges Risiko ;-)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne,


    wenn Du es so beobachtet hast, wird es so gewesen sein.
    Was mich ehrlich wundert, ist, wie oft Du die Königin siehst. Am Wochenende sah ich die erste in diesem Jahr. Und bis auf die neu gezogenen wird es wohl auch die letzte gewesen sein.


    Viele Grüße, Thomas

  • :lol: Das wundert mich auch immer wieder, und meinen Männe auch.
    Deckel auf, Randwabe ziehen, dann eine ausguck und zu 90% ist da die Königin....
    Ich kann's dir nicht erklären.
    Daß sie zu 80% in allen Kisten eines Standes auf derselben Wabe sitzt, ist ja bekannt, aber andersrum hatten wir auch schon völlig ohne Grund beim Spazierengehen im Garten mal nen Deckel über einem gewiß leeren HR gelüftet, und da dann auch gezeichnete Königinnen gesehen, die wohl ebenfalls auf Inspektion war.
    Oder dieses Frühjahr, die erste Serie zu verschulender Zellen. 23 wunderschöne Zellen, gut belagert.
    Männe freut sich, ich sag, nö, 4 sind nix, laß markieren. Er, die sind doch perfekt.
    Geschlüpft sind nur 19, und die markierten 4 nicht, die waren alle vom Futtersaft abgerutscht, was man von außen aber nicht sehen konnte, und die waren auch nicht länger oder so. Ich kann's nicht erklären.
    (aber andererseits hab ich auch schon Leute totgeträumt, immer 3 Tage im voraus...*grusel*)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: Ihr macht ja auch den Kühlschrank auf und seht die Butter nicht.....
    Dafür fragt ihr aber niemals nach dem Weg, wenn ihr euch verfahren habt. :wink:


    LG, Sabine, die KEINE Karte umdrehen muß, wenn sie nach Süden fährt...*ggg*

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Thomas Hädrich schrieb:

    Hallo Sabi(e)ne,


    wenn Du es so beobachtet hast, wird es so gewesen sein.
    Was mich ehrlich wundert, ist, wie oft Du die Königin siehst. Am Wochenende sah ich die erste in diesem Jahr. Und bis auf die neu gezogenen wird es wohl auch die letzte gewesen sein.


    Viele Grüße, Thomas


    Bei schwachen Völkern findet man eben die Königin schneller, als in superstarken, wo schon mal 3 Zargen als Brutraum dienen.

  • Ach, Quark,
    es gibt seit ein paar Jahren die Opalithplättchen als Fluoreszenzfarben, und wer die nicht benutzt, ist selbst schuld. Das gelb und grün sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber es hilft enorm. Gerade sehschwachen überalterten Imkern aus Inzuchtgebieten. 8) 
    Allerdings finde ich ungezeichnete genauso schnell :P

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    Allerdings finde ich ungezeichnete genauso schnell :P


    Prima, Sabi(e)ne. Wenn Du zu mir kommst, machen wir einen Test. Den Zeichenstift werde ich stellen. :D


    Grüße, Thomas