Fächelnde Bienen und merkwürdiger Geruch

  • Michael schrieb:

    Allerdings, wie erklärt ihr den Geruch, den Melanie da beschreibt?


    Ich kann Weiselfuttersaft riechen und ich könnte mir auch vorstellen, daß Schwarmbienen ihre eigenen Duftdrüsen volles Rohr aufdrehen, schließlich müssen die sich in der Luft und am Baume ja am Geruch finden. Besser man riecht ordentlich nach der eigenen Familie, als dann irgendwo zu verschellen. Oder? Schwärme direkt nach dem Einschlagen riechen doch auch besonders und wieder ein klein Bißchen anders.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • gazdin schrieb:
    Zitat

    Noch nie ein Volk gehabt, dass 3 bis 4 Nachschwärme brachte?


    Kurz gesagt: nein.


    Hallo gazin,


    ich habe dieses Jahr 2 Nachschwärme erleben dürfen, die gleichzeitig ausgezogen sind. Das Brechen der Weiselzellen wäre hier besser gewesen.


    Einem Imkerkollegen ist auch durchaus schon mal ein Ableger geschwärmt. Schlüpfen doch aus den entnommen Brutwaben in kurzer Zeit jede Menge Bienen und es wird schnell eng. Dazu kommt, dass Ablegerkästen ohne Gitterboden und kleinem Flugloch sich gut aufheizen.


    Gruß
    Uli

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie.

  • Tach Henry,


    Zitat

    Ich kann Weiselfuttersaft riechen und ich könnte mir auch vorstellen...


    Ich irgendwie nicht.
    Muß mir vielleicht mal öfter die Füße waschen, um den Eigengeruch los zu werden. :wink:

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Doch Michael,


    das geht. Nimm' mal so eine Zelle kurz vorm Verdeckeln, pökel (Wort von Sabi(e)ne geklaut :wink: ) die Larve raus und nimm' dem ganzen Futtersaft auf die Zunge. Ich sage es schmeckt wie Fichtennadelbad. Nicht sehr gut, bißl modrig und scharf. Doch der Geschmack ist vielseitiger und er enthält auch den Geruch der Schwärme und der schwarmtriebigen Bienen.


    Du kennst doch auch die Situation beim Arbeiten am Volk, wenn's mal länger dauert und plötzlich ändert sich schlagartig das Summgeräusch und der Volksgeruch. Ich meine nicht, den Stechton und den Aggressivitätsgeruch, den Dir einzelne verstimmte Mistviecher direkt in den Schleier fächeln, sondern den Geruch, mit dem das Volk auf den Suchton der abgestoßenen oder über Kiste umherirrenden Bienen reagiert. Das mußt Du doch auch riechen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
    schon gut.
    Ich habe verstanden, glaube ich.
    Der Duft eines Volkes , auch wie er sich ändert, ist mir schon ein Begriff.
    Beim Umlarven (ich nehme ja kein Nicot, sondern die chinesischen Umlarvdingers) erlaube ich mir ab und an mal ein Löffelchen voll...
    Schmeckt übrigens auch mit Larve drin ganz ok. :wink:
    Allerdings wäre mir der Sprung, alleine vom Stockgeruch auf Schwarmtriebigkeit schließen zu wollen, ein zu großer.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Liebe Mitimkers,
    na da habe ich wohl ein echtes Diskussionsfaß aufgetan.


    Nun die Fortsetzung der Geschichte:
    Wie gesagt, ich hätte gerne einen Königinnenableger gemacht um den Schwarmtrieb effektiv zu hemmen - aber trotz zweimaliger Durchsicht war sie einfach nicht zu finden; lag auch daran, daß das Brutnest fast nur aus verdeckelten Zellen bestand weil die Alte offenbar schon eine Weile nicht mehr legte (hätte mir ja auch früher auffallen können....tärääääh) und man daher nicht mehr so einfach in der Nähe der Stifte suchen konnte. War mir auch nicht sicher - vielleicht war sie bereits an dem Tag dieser komischen Beobachtung abgedüst?


    Also teilte ich die Schwarmzellen auf, Altvolk wie Ableger bekamen einige. Den Ableger machte ich auch schön groß - insgesamt 4 DNM mit beidseitig verdeckelter Brut inkl. aufsitzender Bienen und noch drei Waben drüber abgefegt.


    Heute morgen dann Frühstück bei Freunden; der Anruf: "Melanie, Deine Bienen hauen ab!"
    Na toll - als ich wieder daheim war, waren die über alle Berge - kein Schwarm weit und breit; nur ein paar Beweisfotos. Ich schaute gleich mal in die Kiste...und ich hätte wirklich nicht sagen können, ob die geschwärmt sind oder nicht. Die Kiste war voll wie am Tag zuvor!
    Habe ihnen nun noch eine Halbzarge zum Ausbauen auf den gut besetzten und im Ausbau befindlichen HR draufgesetzt; sind aber immer noch mehrere Schwarmzellen verschiedenen Alters da. Frage mich nun auch: Brechen oder nicht brechen, das ist hier die Frage...voll genug wäre es wohl für Nachschwärme...wenn ich nicht mal den Verlust des einen merke? Aber vielleicht sollte ich sie mal machen lassen um einfach mal zu sehen wie das nun so abläuft und damit etwas empirische Forschung zu dieser Diskussion beitragen...


    Melanie

  • Hymenoptera schrieb:

    Liebe Mitimkers,
    na da habe ich wohl ein echtes Diskussionsfaß aufgetan.


    Ich schaute gleich mal in die Kiste...und ich hätte wirklich nicht sagen können, ob die geschwärmt sind oder nicht. Die Kiste war voll wie am Tag zuvor!
    Habe ihnen nun noch eine Halbzarge zum Ausbauen auf den gut besetzten und im Ausbau befindlichen HR draufgesetzt; sind aber immer noch mehrere Schwarmzellen verschiedenen Alters da. Frage mich nun auch: Brechen oder nicht brechen, das ist hier die Frage...voll genug wäre es wohl für Nachschwärme...wenn ich nicht mal den Verlust des einen merke? Aber vielleicht sollte ich sie mal machen lassen um einfach mal zu sehen wie das nun so abläuft und damit etwas empirische Forschung zu dieser Diskussion beitragen...



    ...den Auszug eines Schwarmes zu beobachten ist eines der herrlichsten Naturschauspiele, die es m.E. gibt!


    Theoretisch könnte jede Königin, die noch schlüpft, mit einem Nachschwarm ausziehen...... ob sie's wirklich tun, hängt von vielen Dingen ab, z.B. ob es honigt, wie das Wetter ist (z.Z. gerade richtig zum Schwärmen), die Bienenmasse, der Futtervorrat im Volk, der Pollenvorrat etc. etc.


    Ich weiß nicht, ob du dir die empirische Forschung antun willst, um das zu bestätigen ,was in den Bücher, die schon 100 Jahre alt sind beschrieben ist. Und jeder, der schon länger imkert, hat irgendwann einmal ähnliches erlebt. Und dazu kommt ,dass ,wenn du Pech hast, nur noch eine Handvoll Bienen in der jetzigen Kiste bleibt und die Königin nicht vom Begattungsflug zurück kehrt, dann ist das Volk futsch.


    Ich habe mal bei einem Heideimker zugeschaut und beobachten können ,wie er die ausziehenden Schwärme schon vorher erkannt hat und seinen "Sack" davor gestülpt hat, um den Schwarm gleich einzufangen. Hat mich tief beeindruckt.


    Du mußt wissen, was du willst: Schwärme verhindern oder Schwärme einfangen/fliegen lassen. Nachschwärme sind mesit relativ schwach/klein, die Königin ist noch nicht begattet, kann also beim Begattungsflug verloren gehen (was so selten nicht ist - ich schätze, so ca. 10-20% aller Königinnen gehen dabei verloren) und es dauert noch lange, bis sie in Brut gehen.


    Im übrigen: Völker, die schwärmen wollen, bauen nicht! Das ist auch ein Zeichen: Wenn sie den Baurahmen verlassen bzw. die mittelwände trotz Tracht in dieser Jahreszeit nicht ausbauen wollen, dann sollte man schauen, ob sie Schwarmzellen angeblasen haben.


    Die Diskussion, die du losgetreten hast, finde ich gut! Es regt vielleicht manchen an, doch noch mal in dieses oder jenes Buch zu schauen, um sich zu belesen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • Zitat

    Im übrigen: Völker, die schwärmen wollen, bauen nicht! Das ist auch ein Zeichen: Wenn sie den Baurahmen verlassen bzw. die mittelwände trotz Tracht in dieser Jahreszeit nicht ausbauen wollen, dann sollte man schauen, ob sie Schwarmzellen angeblasen haben.


    Ja das ist auch so etwas, was wohl ständig geschrieben und zitiert wird...nur eben: bei mir stimmt es schlichtweg nicht. Bei der Kontrolle am 5.5. hatten sie gerade angefangen, den Honigraum anzunehmen und bauen seither dort stetig MWs aus...und das trotz des Schwarms, der heute abgeflogen ist.
    Und die Sache mit den Nachschwärmen ist ja offenbar auch umstritten wie diese Diskussion hier zeigt...


    Daher: Obwohl ich so ziemlich jeden Wälzer gelesen habe, den die Bibliothek hergab, kann ich bisher nur feststellen - es staunt der Laie und der Fachmann wundert sich wieviel Theorie eben Theorie ist und bleibt wenn man praktisch vor dem Wunder Biene steht.


    Melanie

  • Hallo, Melanie,
    die Buckis arbeiten völlig normal weiter bis zur Sekunde des Schwarmauszuges.
    Da siehst du es nur am Verhonigen des Brutnestes, was am Bach ist.
    Hat natürlich den Vorteil, daß sie nicht mitten in der Volltracht die Arbeit einstellen, und schon deshalb gibt es bei denen meist höhere Erträge.
    Und normalerweise reicht da ein enziges Mal Zellenbrechen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • G. Wustmann schrieb:

    ...den Auszug eines Schwarmes zu beobachten ist eines der herrlichsten Naturschauspiele, die es m.E. gibt!


    ja das habe ich mir heute zweimal angetan, als ich durch enormes Summen an meinem Bienenstand von meinem Dachboden aus aufmerksam wurde :(:( Seit Wochen komme ich nicht mehr zum Nachschauen, weil ich mit der Isolierung meines Dachbodens 220 m² 16 cm Styropor mit Verlegeplatten als Abschluß beschäftigt bin.
    Ein Schwarm hatte mindestens 3 kg und wickelte sich um einen Baumstamm. Viermal innerhalb des gesamten Nachmittags habe ich den runtergekehrt und jedes ist er wieder genaus so an den Stamm. Dieses Abkehren mochten sie nicht. Ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich sage, dass mich heute mindestens 30 Bienen gestochen haben. Die letzte so gegen 19:00, diese wollte gerade in die Haarpracht meiner Frau, als ich hinschlug gefiel ihr mein Hals besser und sie verpasste mir einen Knutschfleck :evil::evil::evil:
    Sch....tag heute :evil::evil:

  • Jo, geht also anderen nicht besser.
    Ich habe heute schon zum zweiten Mal den selben (Singer-)Vorschwarm vom Baum gepflückt. Vor drei Tagen hing er mit drei Jungköniginnnen im Baum. Schwarm durchgesiebt und zurückfliegen lassen; Schwarmzellen ausgebrochen, etc. Irgendwo habe ich was übersehen, heute hing er etwas kleiner wieder im Baum.


    Außerdem konnte ich zum ersten Mal wirklich den Unterschied zw. Buckfast(mischlingen) und Carnica beobachten. Auch die verhinderten Buckis machen trotz Schwarmstimmung einfach weiter. Das eine Carnicavolk ist da schon wesentlich sturer. Die haben, glaube ich, sogar die alte Königin einfach verhungern lassen. Die Königin ist immer kleiner geworden (besser gesagt kürzer), es ist kaum noch Brut da und bei der heutigen Durchsicht habe ich sie nicht mehr gefunden, obwohl ich den Kasten komplett zerlegt hatte (bis gestern war die sicher noch im Volk). Die waren auf eine neue Königin eingestellt und haben die alte einfach ignoriert- also habe ich ihnen eine neue gegeben. Mal schauen, was daraus wird.

  • So. Königin gefunden. Lag tot hinter der Beute in einem Häufchen Bienen. Die dürfte schon so schwach gewesen sein, dass sie mir wohl einfach von der Wabe gefallen ist. Und ich habe mich noch gewundert, warum sich da plötzlich Bienen im Gras sammelten - hätte ja auch gleich daran denken können.