Was habe ich bei meinem Pflegevolk falsch gemacht

  • Hallo Kollegen,


    Ich habe 1 Serie auf 2 Pflegevölker verteilt - 1xWeissellos 1x Weisselrichtig.


    Mein (vermeindlich ) Weisselloses Pflegevolk habe ich wie folgt erstellt:


    ca 13 Tage vor dem Umlarven habe ich mir ein Pflegevolk durch Schröpfen meiner Wirtschaftsvölker erstellt und eine Schwarmzelle darin belassen.
    einen Tag vor dem einhängen der Zuchtserie hatte ich diesen Volk komplett durchgesiebt und ein Absperrgitter vor dem Flugloch angebracht.
    Anzumerken ist das ich keine Weissel entdeckt habe und sich das Volk ruhig abhörte.


    12 Zellen wurden in dieses Volk eingehängt, 2 Ausgebaut und der Rest erst gar nicht erst angerührt. Die 2 Zellen wollte ich darauf hin verschulen und stellte Fest das die Pflege dieser zu unterschiedlichen Zeiten vernachlässigt wurde. Eine Puppe ziehte schon Fäden und die andere hatte bereits ausgebildete Gliedmaßen.


    Was könnte hier los gewesen sein.


    Die andere Hälfte, 18 Zellen hing ich in ein weisselrichtiges, Trogbeute im Stand hinter Schied mit Absperrgitter. Alle Zellen wurden vollständig Gepflegt.


    Hoffe auf Tipps um die o.g. Situation analysieren zu können.


    Gruß Dennis

  • Moin Dennis,


    Pflegevolk hat nach 13 Tagen keine zu pflegende, also offene Brut mehr. Denn 3-5-8 wird die neue Nachschaffungskönigin. Gezogen wird die aber aus einer Larve. Die 3 Eitage fallen also schon weg. Bleiben also nur max. 5 Tage für die Pflege von Weiselzellen. Bis zu Deinem eingehängten Zuchtrahmen bleibt also eine min. Pflegelücke von 8 Tagen.


    Für die Arbeiterbrut sieht es ganz ähnlich aus. 3-6-12. Nach 9 Tage ist die letzte offene Zelle verdeckelt.


    Nun muß man aber wissen, daß die offene Brut nur am Anfang stark mit Drüsensaft gefüttert wird, später mit Honig-Pollen-Gemisch. Eine 3-tägige Arbeiterinnenmade kriegt also auch schon keinen reinen Futtersaft mehr (sonst würde sie ja 'ne Königin)


    Genau da liegt Dein Problem, bzw. das Problem des Pflegevolkes. Und deshalb ist es eine viel viel schönere Methode (und ich glaube Br. Adam hat's erfunden) ein Volk mit Königin aufzupumpen und dann nach 7, 8, 9 oder auch 10 Tagen zusammenzukehren. Das funktioniert sehr sicher.


    Im Schnelldurchlauf: Größtes Volk am Stand suchen oder gezielt machen also mit Brut verstärken. 3 Zargen voller Bienen und ein HR sind OK. 2 Zargen reichen geradeso. Schwarmtrieb darf ruhig entstehen. 9 Tage vor der Zuchststoffgabe Waben sortieren. Eine Zarge soll die offene Brut (auch Stifte, wenn da) kriegen und in die Mitte zwei oder drei BauR und rechts und links außen futterhaltige Waben. In die andere Zarge kommt die Königin auf schlüpfender Brut. Dazwischen kommt das Gitter. Das Volk bekommt keine weiteren Zargen. Waben die jetzt zu viel sind, werden woanders verwendet. Ja, das wird schon ordentlich enge, soll es auch. Deshalb abzustoßende Bienen vor die Kiste kehren und einziehen lassen. Offener Boden ist wichtig! Direkt vor dem Umlarven, also etwa 9 Tage nach dem ersten Eingriff wird mit der Königin ein Ableger gebildet. Sinnvollerweise stand die Zarge mit der König also oben! Alle anderen oberen Waben haben jetzt Stifte und offene Brut und werden gleich zur Verstärkung des nächsten Pflegevolkes genutzt. Oder für andere Finisher. Dann wird umgelarvt. Die Zeit dafür reicht, daß sich die Bienen weisellos fühlen und mitten aus der Brutpflege gerissen, nicht wissen wohin mit dem Futtersaft. Für das Umlarven und die Wabenaufteilerei, darf man sich schon 2-4 Stunden Zeit lassen. Erst dann wird der Zuchtstoff an Stelle der BauR gegeben. Das klappt immer und zu sehr guten Quoten und ganz egal wie das Wetter ist oder die Tracht. Die erste Serie kann dann nach 24 Stunden gestartet rausgenommen werden und das Volk kriegt die nächsten Larven und wird auch diese perfekt und sogar noch besser pflegen. Will man das Pflegevolk finishen lassen, was durchaus Sinn macht, bleibt eine Serie von max. 20 (also meist 3 10er-Latten - Ausfall)Zellen drin und ein HR kommt drauf. Gern auch nur MW, Gitter ist ja nicht nötig.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    du schreibst es.
    Absolut zu unterstützen.
    Beim Pflegevolk kommt es auf
    1.Zeitgerechtes Arbeiten
    2. Vieeeele Bienen
    3. Schwarmstimmung, finde ich darf nicht nur sein, sondern sollte sogar.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Also erst einmal muß ich danke, ganz besnders Henry sagen für die aufschlussreiche und lückenlose Erklärung.
    Dahinter wäre ich nie gekommen. Jedoch n anbetracht mit dessen was ich in Zuchtbüchern gelesen habe erscheint mir das sehr logisch.


    Geplant war eigentlich gar keine Pflege im weissellosen. Ich wollte das nur austesten weil ich jede Menge Bienenmaterial durch das schröpfen hatte. Desswegen konnte ich das Volk auch nicht ordnungsgämäß mit dem Tag der Zuchtstoffabgabe abstimmen.


    Jetzt stellt sich nur noch die Frage über die weitere Verwendung dieses Volkes.


    Kann ich das Material zur befüllung der Begattungseinheiten benutzen?


    warum "jault" das Volk nicht durch die Weissellosigkeit? da ich die Zellen ja schon entnommen habe.


    (1000% sicher das ja doch irgendwie eiine Weissel drinn ist kann ich ja nicht behaupten) Aber ich find einfach nix und, "Der Bock müsste doch auch Jaulen"?


    Für mich passt das Verhalten mit meinem angenommenen Zustand halt irgendwie nicht zusammen? Afterweisselig hätte ich ja schon bemerkt durch mehrfach bestiftete Zellen? Oder?


    So denn, Gruß Dennis

  • Moin Dennis,


    vergiß' ma so Afterweiselgedanken. Das sind Sonderfälle und die gibt das seltener als manche, deren Königinnen nach Zusetzexperimeneten abgemurkst wurden zum Selbstschutze und der Ehrenrettung behaupten.


    Weisellose Völker eignen sich ganz hervorragend zum Befüllen von Bagattungseinheiten. Die wollen ja nicht als Schwarm weg, die wollen eine Königin. Und wenn die schon eine haben und die kommt mit in eine Begattungseinheit, dann wird eben die dort begattet und die andere nicht. Das ist kein Grund zur Traurigkeit. Wichtig ist nur, daß die Bienen in den Begattungseinheiten nicht zu alt werden. Wenn Du also Dein mißglücktes Pflegevolk auflösen willst dafür (und es war so lange weisellos) dann mußt Du wenigstens paar Jungbienen nachschütten. Die Königin kriegt ja auch als fertige Königin nur Weiselfuttersaft und den machen nun mal nur junge.


    Das geht recht gut folgendermaßen: Bienen etwa 1h vor Sonnenuntergang aus Völkern in einen Hobbock stoßen, nicht ansprühen, Deckel offen lassen. Pro Begattungseinheit etwa eine Wabe voll abstoßen. Hobbock offen im Schatten stehen lassen. Nach Einsetzen der Dämmerung also etwa 1,5h nach Sonnenuntergang, können die verbliebenen Bienen nix mehr sehen und halten sich ängstlich an einander fest. Die kann man jetzt auf die Anflugbrettchen der EWK-Schutzhäuser schütten. Man denkt die müßten da als Kloß runterfallen aber etwa die Menge eines Pfirsichs hält (weil die sich so an sich selber festhalten) problemlos. Wenn man den Hobbock drunter hält gehen auch Bienen die tatsächlich abfallen nicht verloren. Über Nacht ziehen die Bienen dann ein. Vorher machen sie sich auf der Schutzhausfront breit. Das muß so und funktioniert nur, wenn ansonsten im EWK alles in Ordnung ist.


    Befüllen geht angeblich auch so. Dauert mir aber viel zu lange. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder