Bienenweide - Angaben contra Beobachtungen bei Stauden

  • Hallo zusammen,
    mich verwirren die Angaben, die bei Stauden zu "Bienenweiden" gemacht werden, denn sie scheinen nicht immer mit dem Verhalten der Bienen überein zu stimmen.
    So stehen für Polemonium z.B. sehr ordentliche Werte für Pollen und Nektar, aber die Bienen fliegen achtlos dran vorbei und tun sich an der nebenstehenden Azalee gütlich. Klatschmohn und Malven wurden letztes Jahr intensivst beflogen, haben aber eher mäßige Werte.
    Phacelia war nur in den ersten 8 Blütewochen wirklich interessant für die Bienen, dann wurde sie nicht mehr oft besucht. Hingegen habe ich auf dem nie erwähnten, einjährigen Bidens, von dem ich letztes Jahr etwa 2m² stehen hatte, nie weniger als 1 Dutzend Bienen gesehen. Da ich letztes Jahr noch keine eigene Bienen hatte, haben die Mädels mindestens ein paar Hundert Meter zurücklegen müssen, um die Stauden zu befliegen.
    Bisher dachte ich immer, ist ja einfach, Blume ausprobieren, gucken ob es summt und wenn ja, Bestand vergrößern. Bis ich dann auf die Pollen und Nektarwertangaben stieß...Ich mein, wenn die Malve nur mäßige Werte hat, warum wird sie dann auffällig stark beflogen, selbst wenn daneben als "sehr gut/gut" bewertetes Helenium steht? Ist sie die Pommesbude in der Salatbar??
    Hat man bei den Angaben zu Pollen - und Nektarwerten vielleicht den Geschmack der Bienen vernachlässigt?? :wink: Gibt es den überhaupt?? Wär doch ne neue Lebensaufgabe für den Hobbyimker, den Blütenmichelin für Honigbienen zu schreiben... :lol: 
    Viele Grüße
    Elke

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • Hallo Elke,


    ich hatte mich auch glaubend auf die Bücher gestürzt um gute Bienenweide anzupflanzen und ähnliches erlebt wie Du. Einige angeblich sehr ergiebige Trachtquellen wurden einfach (links) liegengelassen.


    Eines sollten wir nicht vergessen: Suchbienen und später auch die Sammlerinnen beurteilen die gesamte Quelle. D.h. eine einzelne, selbst eine ergiebige, Pflanze wird ignoriert (ein ganzer Baum ist schon interessant). Um die Einzelpflanzen kümmern sich die Hummeln.


    Weiterhin sind für die Nektarproduktion die Standortbedingungen der Pflanze wichtig: Wasserversorgung, Nähstoffe, Licht. Aber das weißt Du ja als Gärtnerin.


    So ganz verwerfen würde ich die Trachtangaben jedoch nicht. Da haben kundige Leute Jahre daran gearbeitet.


    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,
    ich habe nicht im geringsten vor, die Trachtbücher zu ignorieren, doch das Beobachten der Bienen finde ich trotzdem sehr spannend und will die Ergebnisse auch für meinen Garten verwerten.
    In diesem Jahr war es z.B. lange sehr kalt und als die Bienen das erste Mal richtig flogen, war direkt Volltracht mit Obstbaumblüte (im Umkreis von 600m stehen hier etwa 2 Dutzend Obstbäume). Meine paar Bienen (1 Ablegervölkchen) wußten gar nicht, wo sie zuerst hinfliegen sollten.
    Und trotzdem hab ich sie auch in dieser Zeit an den Traubenhyazinthen gesehen, also müssen die doch irgend einen besonderen Reiz haben. Andere Stauden oder Zwiebelblumen wurden nicht besucht (Schneeheide, Lungenkraut, Pulsatilla...). Für mich heißt das, im Herbst noch mehr Traubenhyazinthen zu pflanzen. Die Trachtbücher geben einem eine fundierte Auswahl bzgl Pollen und Nektar an die Hand, die ich auf jeden Fall berücksichtige. Was ich vermute ist, das die Pollen der verschiedenen Pflanzen eben nicht nur Pollen sind, sondern Unterschiede in der Zusammensetzung bzgl Vitaminen oder Spurenelemente haben und die Bienen ihre Haupttrachten durch andere Blüten ergänzen (99% fliegt in die Apfelblüte, 1% in die Traubenhyazinthe, weil da etwas drin ist, was dem Apfel fehlt, als Beispiel). Die Biene hat sich ja nicht zu Zeiten der Monokultur entwickelt. Was in den verschiedenen Pollen enthalten ist und was als Ergänzung gebraucht wird, wissen die Bienen sehr viel besser als wir (wenn es denn so sein sollte), und das kann ja regional auch sehr verschieden sein. Ich finde es einfach interessant zu gucken, welche Pflanzen neben der offensichtlichen Hauptracht (Trachtbücher!) angeflogen werden und diese dann auch ausreichend anzubieten. Als Anfänger weiß ich nicht, wie weit der Stoffwechsel der Insekten/ Bienen in Bezug auf die Wirkung und den Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen untersucht wurde und ob das überhaupt eine Rolle spielt. Andererseits gäbe es bei erfolgten Untersuchungen bestimmt Tipps zu "Trachtkombinationen", sowie es ja auch für den Menschen Ratschläge zur ausgewogenen Ernährung gibt ( die sich alle Jahre grundlegend ändern :lol: ). Nimm bei uns nur den Jodmangel. Damit können wir ewig voll arbeiten, nur kriegen wir mit der Zeit einen dicken Hals :wink: . Bei der einzelnen Biene mit ihrer kurzer Lebenszeit wird ein wie-auch-immer gearteter Mangel an irgendwelchen Vitaminen und Spurenelementen gar nicht auffallen. Aber auf das Volk könnte es vielleicht Auswirkungen haben. Weiß denn irgendein Imker, wieviele Maden und Puppen vorzeitig wegen Mißbildung von seinen Bienen entsorgt werden? Und die Winterbienen! Vielleicht könnte ein Winterverlust bei ausreichend Futter auch mit unausgewogener Ernährung schon im Madenstadium begünstigt werden?? :o Mir stellt sich doch die Frage, warum sich ein paar Bienen die Mühe machen, die kleinen Traubenhyazinthen abzuläppern, wenn sie doch kiloweise Apfel einfahren könnten. War ja nicht so, das die Bienenpopulation keinen Platz mehr auf den Äpfeln gelassen hätte. :wink:
    Und wenn Klatschmohn keine gute Trachtpflanze ist, warum pilgern dann die Honigbienen anderer Imker den weiten Weg zu einem kleinen Bestand, als wenn´s da was umsonst gäbe? NA? Oder sollte ich doch lieber bügeln gehen, anstatt mir so tiefschürfende Gedanken zu machen?? :lol:
    Viele Grüße
    Elke

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • Hallo,


    ich habe letztes Jahr beobachtet, daß der Beflug von Bienen auch sehr stark von der Tageszeit abhängig ist.


    Ich hatte ein kleines Senffeld und war zunächst enttäuscht, da ich dort nur selten Bienen gesehen hatte. Erst an einem Wochenende, wo ich den ganzen Tag im Garten verbrachte, bemerkte ich, daß der Senf zwischen 14 und 14 Uhr 30 (also blos 'ne halbe Stunde) intensivst beflogen wurde. Ich war also immer zur falschen Zeit am falschen Ort.
    Genauso beobachtete ich es dieses Jahr mit meinen Erdbeeren, die werden nur in aller Früh beflogen, am Nachmittag kommt nur selten ein Gast.
    Im heißen Sommer werde ich mal schauen, ob nicht sogar in der Nacht bei Vollmond irgendetwas beflogen wird, ich halte das für möglich.
    Es gibt nämlich Pflanzen, die erst zu sehr später Stunde zu Honigen anfangen.


    Gruß, Radiolaria

  • Hallo Radiolaria,
    dieser Tageszeitbeflug ist mir auch schon bei einigen Pflanzen aufgefallen. Und da die Mädels ja blütenstet sind frag ich mich, was machen die in den übrigen 23 1/2 Stunden? :o Sitzen die da im Stock ( und erzählen den Arbeiterinnen, wie anstrengend der Tag im Senf war?) :lol: Oder arbeiten die in verschiedenen Schichten? 7.00 -8.15Uhr Erdbeeren, duschen, 8.45-12.30 Weißdorn, Mittagspause, duschen, ab in die Himbeeren....??
    In "Der Bio-Gärtner" ( Internet) steht zur Honigbiene übrigens, die wäre gar nicht so fleissig, wie immer angenommen. Häufig würden die einzelnen Trachtbienen im Stock abhängen und dem Nichtstun frönen...
    Der Bien, das unbekannte Wesen...
    Viele Grüße
    Elke

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • spannendes thema! habe sehr viele verschiedene tracht-stauden in meinem garten, jedoch leider jeweils nur in sehr geringer menge, also für den bien (der momentan noch zum raps pilgert) eigentlich alles uninteressant. heute nachmittag konnte ich aber einige kundschafter-bienen beobachten, wie sie über meinen schnittlauch herfielen, als gäbs weit und breit nix anderes. obwohl es nur eine einzige kräftige pflanze ist :o


    wenn ich denn mal ein bisschen mehr grund zur verfügung haben sollte (so 1-2 ha mindestens ) 8) dann werde ich dort nur erprobte trachtpflanzen anbauen. schnittlauch ist ab heute auch schon fix mit eingeplant :wink:


    weiters wird dort wachsen: herzgespann, salvia nemorosa, verschiedene disteln, staudenknöterich, katzenminzen und alles mögliche andere. was fällt euch noch spontan an mehrjährigem krautigen ein, was ein bienenmagnet ist?

  • hallo, salvia,
    Disteln sind eher was für Hummeln, der Nektar sitzt zu tief für Bienenrüssel.
    Borretsch wird geliebt, ungefüllte Calendula, und Lavendel!
    Blühendes Basilikum, alle Minze- und Melissenarten, Salbei :wink: , Anemonen im Frühjahr, Him- und Brombeer, und Phaecelia, die man auch erst im Juli säen kann, sie blüht verläßlich nach 6-7 Wochen.
    Sonst fällt mir nur noch Schafgarbe ein, alle ungefüllten Rosen, Astern, und auch Sonnenblumen, aber Lavendel und eigentlich alle ausblühenden Gewürzpflanzen außer Wermut sind der Renner :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    hallo, salvia,
    Disteln sind eher was für Hummeln, der Nektar sitzt zu tief für Bienenrüssel.

    nicht jede distel ist ungeeignet - an meiner Cirsium rivulare sitzen alle nektarschlürfer gleichermaßen. die ganze Lippenblütler-Familie (mit den ganzen kräutern) ist sowieso meine leidenschaft und muss natürlich auch mit rein. borretsch? gut zu wissen - den hab ich gar nicht im garten, weil ich den zu nix brauch.


    phacelia: es steht sicher schon irgendwo in irgendeinem thread, aber: wieviel m² brauch ich, damit es sich ausszahlt (pro volk?)
    danke schon mal für alle anregungen

  • :lol: Ich bin nicht so die Botanikerin, ich hab hier Ackerkratzdistel (und noch ein paar Arten) und Küchensalbei, Disteln sind Hummelfutter und Küchensalbei Bienifutter ;-)
    Borretsch brauch ich auch zu nix, aber er ist sooo hübsch und die Mädels lieben ihn.
    Phaecelia:je mehr desto besser. Ich hatte letztes und vorletztes Jahr so 1000qm, und er wurde intensivst von allem, was Rüssel hat beflogen. Von "rechnen" für Ertrag kann bei so wenigen qm keine Rede sein, aber wird er spät gesät, macht er ganz viele glücklich...Pollen und Blühendes sind im August/September eher knapp.
    Meine Buddleija werden auch immer heftigst von allem beflogen, obwohl da kein Ertrag zu erwarten ist, aber es hilft trotzdem. Besser als Maispollen allemal....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: ich kann dir gern was abgeben, ich krieg meine 15.000 nicht in den Griff.... :evil: 
    Ex-Gartencenter, ich wohne im Glashaus und hab Wildnis pur drumrum...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen