Einraumbeuten

  • Hallo zusammen,


    in Anlehnung an dieses Forum möchte ich mal Einraumbeute(n) mit Naturwabenbau testen. Das sieht so aus, daß ich an meinem Standvorletztes Jahr versucht habe mittels neuer Dadant-Beuten und Brutableger im Zandermaß, Völker im Naturwabenbau aufzubauen und wie nach Studium dieses Forums kaum anders zu erwarten war kläglich gescheitert bin. :( (Forum wurde von mir zu spät entdeckt)
    Wirrbau, Stabilbau-Fetzen(Fragmente) und jedemenge Drohnenbau im darauffolgenden Frühjahr. Dieser Exkurs hätte mich fast zwei Völker gekostet - nun ja mit Mittelwänden konnte ich sie dann noch retten.
    Trotzdem kann ich die Idee noch nich ganz aufgeben mit Naturbau zu arbeiten. 8) 
    Mir schwebt eine Beute nach "Mellifera.de" vor, mit Dadant - Rähmchen hochkannt ( Dadant ist mein Standmaß ) und ca. 16 - 18 Stück in Warmbau, also typische Lagerbeute.


    Gibt es hier schon den einen oder anderen ImkerInn der mit dieser oder ähnlichen Beuten Erfahrung sammeln konnte - weil die Beuten erst noch gebaut werden sollen?
    Und gleich noch eine Frage ungewöhnlicher Art. Ist das O.K. wenn man das Dadant(honig)rähmchen hochkannt - so wie es in der Beute hängt- schleudert oder wird das nix? Weil, bisher habe ich die Rähmchen um 90° gedreht (sonst passen sie nicht in die Schleuder) damit stehen die wabenzellen in "Flugrichtung" und der Honig kann IMHO besser aus der Zelle "fliegen".
    Ich freue mich auf eure Antworten. Bis dahin


    Joschi

    Unzufriedenheit ist der Motor des Fortschritts, Zufriedenheit ist der Schlüssel zum Glück.

  • Hallo Joschi,


    also ich habe letztes Jahr zwei Einraumbeuten bekommen und besiedelt. Ich bin nicht sehr überzeugt von dieser Beute, um mal ein kurzes Fazit vorab zu schicken.


    Das Konzept der hoch-langen Wabe finde ich vom Prinzip her bienenfreundlicher - aaaaber....


    Die Bienen bauen die Waben recht schnell aus, allerdings nur so acht Stück. Danach ist erstmal Stop - obwohl die Saison noch nicht vorbei war. Nur zur Seite mochten die Bienen in beiden Beuten nicht gehen.


    Der Honig wurde überkopf eingelagert, untendrunter war die Brut. Ich weiß nicht, wie sich die Mellifera-Leute das gedacht haben, aber soll ich nur den in den seitlichen Waben eingelagerten Honig ernten? Komisch.


    Im Winter sollen die seitlichen Räume durch Strohschiede und einem "Brettschied" abgetrennt werden. Die dahinter entstehenden Leerräume bleiben kalt und feucht. Beides nicht ideal für das Gesamtklima und für die Beute.


    Das gesamte Handling der langen Rähmchen ist schwierig bis umständlich. Die Beute ist zu schwer zu transportieren, zu schwer nachzubauen oder zu teuer um sie zu kaufen. Sprich: total unwirtschaftlich.


    An den Honig kommt man auch nicht ran. Wenn die Bienen überkopf tatsächlich Raps oder den gefürchteten Waldhonig einlagern - was dann?


    Meiner Meinung nach sind Rähmchen beim Naturbau schon ein Widerspruch in sich. Rähmchen und Mittelwände sind Elemente des Kunstbaus. Siehe auch andere Beiträge im Forum.


    Das flache Blechdach ist auch nicht gut: der Regen trommelt sehr laut, die Sonne brät. Der Fluglochkeil ist auch nicht ideal: zusätzlich zum kleinen Flugloch ist in jedem Fall ein Mäusegitter für die Überwinterung notwendig. Durch das kleinste Flugloch kommt auf jedem Fall noch jede Maus.


    Hmm, das waren so meine ersten Gedanken. Ich muß einschränken, daß ich niemals eine Unterweisung von Mellifera erhielt. Die Mängel springen einem aber bei der Arbeit ins Auge.


    Meint,


    Bernhard Heuvel

  • Hallo zusammen,


    an Peter 56


    das war so ziemlich genau das was ich suchte, allerdings war das was ich gelesen habe etwas ernüchternd :cry: dennoch ist es mir einen
    Versuch wert.


    an Bernhard


    Ich glaube ich habe diese Mellifera-Beute nicht richtig verstanden. Ich bin davon ausgegangen, das sie wie eine Lagerbeute funktioniert ( ich habe nur ein Foto irgendwo gesehen). Jetzt sprichst du aber von sseitlichem Honigeintrag(der nicht richtig funktioniert). Dies kann ich bestätigen. Meiner Bandscheiben und Wirbel zuliebe habe ich vor einigen Jahren mit einer Kunesa Beute experimentiert und war erschüttert. Im ersten Jahr baute der eingeschlagene Schwarm gut ( 6-7 Mittelwände) aus und überwinterte ganz hervorragend. Ein darauffolgender guter Saisonstart erfreute das Imkerherz. Als nun aber die erste Tracht (Obst,Löwenzahn,Raps) einsetzte lagerte er alles über oder hinter der Brut an und engte sich somit selber ein. Nur durch umhängen von Brut und Honigwaben konnte ich das Volk zur Annahme des Honigraumes ( bei der Kunesa-Beute neben dem Brutraum - eben Lagerbeute) bewegen(zwingen). Daher stammt auch die Idee/Überlegung mir der Einraumbeute - warum soll ich dem Volk einen Raum geben den es gar nicht will? Nur müsste der verbleibende Raum eben groß genug sein um ein Vollvolk und die nötige Futter/Honigmenge aufzunehmen. Nach Br. Adam reichen 8-10 Dadant(brut)waben aus - dies entspricht auch meiner Erfahrung. Für den "Honigraum" würden nochmals 6-8 Dadantwaben in unseren Trachtverhältnisen ausreichen. So käme ich auf ca 14-18 Waben - macht eine Kastenlänge von 55 -70 cm - ein gerade noch zu händelndes Maß.
    Vielleich kann man ja doch durch Beobachtung, Erfahrung und Modifikation eine Beute schaffen, die der TBH an Einfachheit und der Lagerbeute an Bequemlichkeit in nichts nachsteht und trotzdem Bienengemäß ist. Ich bin für jede Anregung dankbar. :P

    Unzufriedenheit ist der Motor des Fortschritts, Zufriedenheit ist der Schlüssel zum Glück.

  • Joschi schrieb:

    Vielleich kann man ja doch durch Beobachtung, Erfahrung und Modifikation eine Beute schaffen, die der TBH an Einfachheit und der Lagerbeute an Bequemlichkeit in nichts nachsteht und trotzdem Bienengemäß ist. Ich bin für jede Anregung dankbar. :P


    Ich war auch unzufrieden mit meinen Beuten. Die waren nicht auf meine Bedürfnisse abgestimmt. Und denen der Bienen auch nicht. Ich war genauso auf der Suche nach einer einfachen und bienengerechten Beute.


    Gelandet bin ich bei den Warrébeuten. Habe ich ja hier schon vorgestellt:
    http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?t=4218
    oder direkt: http://home.arcor.de/bernhard_…r/bienen/bienenindex.html


    HTH,


    Bernhard Heuvel

  • Hallo imkers,


    weiss hier jemand was mit der homepage bienenfreiraum los ist?
    sieht etwas komisch aus.


    mfg bernie

    Imkeranfänger, Start April 2006,
    Standort: Kongo Bavaria * 4 Völker auf Eigenbau Dadant mod. * Brutraumzargen bestehen sich aus 2 einzelne, verschraubte Halbzargen * Zargeneckverbindung
    --> "Verdeckt Nut - Feder" verschraubt und genagelt* Wandstärke: 22mm Fichte

  • bienenfreiraum.de ?
    Die ist laut Denic nicht registriert, also noch zu haben.


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo Bernie,
    ich vermute als ein Grund dafür, dass bienenfreiraum.com nicht mehr im Netz ist, dass das Dadantmaß im Honigraum unpraktisch ist.
    Mein Vorschlag: Bist du (noch) fit, dann nimmt Zander 1 1/2 im Brutraum. (Oder eben die normale Zanderbeute nach Liebig, wenn du kein Individualist bist.) Versuche im Honigraum mit verkürzten Waben, (if non Individualist).
    "else" nimm Bremer- oder Golzbeuten :wink:


    Gruß
    Peter

    Vernunft verwirrt Dogmatiker! (Prof. Dr. H. Lesch)
    ----------------------------------
    Start 2004 mit Eifel-Carnika; 5 Völker in Lagerbeuten nach Bremer und Golz; fast Öko-Betriebsweise.

  • Hallo Bernhard,


    also die Varre´-Beute hat mich jetzt schon neugierig gemacht, ich hab auch die Übersetzung des Buches an den für mich interessanten Stellen gelesen. Die Frage ist aber nun: Was machst du denn, wenn die Honigernte so bescheiden ist, dass nichtmal eine Zarge voll wird ? Und überhaupt muß ja sogar eine zweite Zarge ganz oder annähernd voll werden, damit die Bienen genug Honig für den Winter haben. Sonst müßte man ja füttern, was aber zur Folge hätte, dass Futterreste in der oberen Zarge im nächsten Jahr mit geerntet werden.
    Was ich gar nicht verstanden habe ist die Ernte mit der Schleuder. Die Waben sind doch im Stabilbau, oder ? Das heißt also, sie gehen bei der Ernte verloren ? Dann könnte man sie aber auch gleich auspressen.
    Ich habe eine ähnliche Betriebsweise bei meinen Normalmaßkästen vor Jahren versucht. Ich hatte einzargig überwinterten Völkern eine Zarge mit leeren Rähmchen untergestellt. Leider erlosch der Bautrieb schon bald und die Völker kaben in Schwarmstimmung. Deswegen habe ich das nicht weiter verfolgt. Wie sehen denn deine Erfahrungen bezüglich letzteren Problems aus?


    Stefan

  • StefanK schrieb:

    Leider erlosch der Bautrieb schon bald und die Völker kaben in Schwarmstimmung. Deswegen habe ich das nicht weiter verfolgt. Wie sehen denn deine Erfahrungen bezüglich letzteren Problems aus?


    Genau so. Mit Raehmchen und grossvolumigen Zargen funktioniert das nicht. Wir haben im Forum schon beim Thema Erweiterung darueber gesprochen. Naturbau funktioniert dann am besten, wenn alle kuenstlichen Teile weggelassen werden. Raehmchen und Mittelwaende gehoeren dazu.


    Die Bienen in den Warrebeuten bauen fleissig von oben nach unten und bis jetzt hatte ich bei 14 Voelkern erst einen Schwarm -> die Beute stand in der Naehe eines Rapsfeldes...


    Bis jetzt gefaellt mir die Betriebsweise sehr gut. Kein einziges Mal eingegriffen seit dem Fruehjahrsbesuch - nur Staunen und Lauschen bei sporadischen Besuchen.


    Sicherlich gibt es Voelker, die nicht beide Zargen ausbauen und fuellen. Laut Warre sind diese Voelker zu eliminieren. Schwache Voelker verursachen Krankheiten, Raeuberei und verhindern die Wirtschaftlichkeit der Bienenhaltung.


    Viele Gruesse,


    Bernhard Heuvel

  • O.k. Eine DNM-Zarge hat aber nur ca 26 liter und ist doch kleiner als die Varre-Zarge. (Die hatte doch 36 Liter, oder erinnere ich mich da jetzt falsch?) Nun ist es zwar nicht einleuchtend, warum die Rähmchen so stören, eigentlich ist ja nur der Unterträger zusätzlich drin. Was glaubst du, wieso die Völker nun in der Varre-Beute nicht schwärmen. Es ist doch ihre Natur und auch eine Baumhöhle ist oft viele Meter hoch und die Bienen darin könnten noch weit nach unten weiterbauen, tun es aber nicht sondern schwärmen ab.
    Bei mir gab dieses Jahr auch noch keine Schwarmstimmung. Aber auch nur wenig Honig bis jetzt. Erst zu trocken und zu windig , jetzt viel zu kalt, zu nass und immer noch zu windig. :evil: Ich weiß nicht, ob es in deiner Gegend besser aussieht, wenn nicht, wäre vielleicht auch das bisherige Wetter für die ausbleibende Schwarmstimmung verantwortlich.

  • hallo, Stefan,
    diese und ähnliche Fragen stelle ich mir auch gerade. :lol: 
    Wenn ich mal von der Prämisse ausgehe, daß jedes Volk schwärmen will, zur Artvermehrung, sobald es eine gewisse Menge Honig "über Kopf" hat, begreife ich es nicht.
    Zweitens: Halten sich die Bienen an die Wabenträger oder bauen sie quer?
    Wenn man nicht dauernd inspizieren muß, ist das ja relativ egal.
    Drittens: wie kriegt man bei der Ernte die Bienen aus dem möglicherweise verwinkelten Bau?
    Viertens: wenn sie kreuz und quer gebaut haben, wie schleudert man dann?
    Braucht man dann überhaupt eine Schleuder, oder reicht dann nicht eine gute Presse?
    Fünftens: ich bin ja immer noch hinter Honig in Jungfernwaben her; wenn ich das Flugloch im Querbau nach oben verlagere, wie krieg ich dann die hinteren Honigwaben raus?
    Und wie stelle ich das an, wenn sie tatsächlich kreuz und quer gebaut haben?


    Ich spiele gedanklich wirklich alle Möglichkeiten durch, aber mir fehlt zuviel Grundwissen zu dieser Betriebsweise. Gibt es Sekundärliteratur dazu?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    Wenn ich mal von der Prämisse ausgehe, daß jedes Volk schwärmen will, zur Artvermehrung, sobald es eine gewisse Menge Honig "über Kopf" hat, begreife ich es nicht.


    Hmm, wie gesagt sind das meine bisherige Erfahrung. Gestern sind noch zwei Schwaerme gefallen. Ich werde weiter berichten :o Das Wetter dieses Jahr kann da wirklich eine Rolle spielen.


    sabi(e)ne schrieb:


    Zweitens: Halten sich die Bienen an die Wabenträger oder bauen sie quer?
    Wenn man nicht dauernd inspizieren muß, ist das ja relativ egal.


    Ich vermute, dass sie auch quer bauen werden. Aber das ist nicht relevant.


    sabi(e)ne schrieb:


    Drittens: wie kriegt man bei der Ernte die Bienen aus dem möglicherweise verwinkelten Bau?


    Koennte ein Knackpunkt werden. Aus meinem bisherigen Naturbau weiss ich aber, dass Verstellen der Beute waehrend der Ernte an einen anderen Ort, etwas klopfen und etwas Rauch helfen.


    sabi(e)ne schrieb:


    Viertens: wenn sie kreuz und quer gebaut haben, wie schleudert man dann?
    Braucht man dann überhaupt eine Schleuder, oder reicht dann nicht eine gute Presse?


    Kreuz und quer kann man die Waben auch rausschneiden und dann in ein Gitterkaefig legen und darin schleudern. Ich tendiere aber auch eher zur Presse oder dem Tropfen.


    sabi(e)ne schrieb:


    Fünftens: ich bin ja immer noch hinter Honig in Jungfernwaben her; wenn ich das Flugloch im Querbau nach oben verlagere, wie krieg ich dann die hinteren Honigwaben raus?
    Und wie stelle ich das an, wenn sie tatsächlich kreuz und quer gebaut haben?


    Wird schlecht gehen. Dann ist eher eine Topbar Hive gefragt.


    sabi(e)ne schrieb:


    Ich spiele gedanklich wirklich alle Möglichkeiten durch, aber mir fehlt zuviel Grundwissen zu dieser Betriebsweise. Gibt es Sekundärliteratur dazu?


    Hoechstens Pfarrer Christ, der damit wohl angefangen hat - schon was laenger her. Ich meine, Warre hat Christ verbessert/vereinfacht. Also den forschenden und spielenden Charakter herausgenommen und eine einfache Bienenwirtschaft daraus gemacht. Dabei ahne ich das nur, ohne die Literatur von Christ richtig studiert zu haben.



    Viele Gruesse,


    Bernhard Heuvel

  • :D Ah, danke, Bernhard!
    Dann wird es in ein paar Jahren doch wohl Zeit für dich, ein Buch zu schreiben: "Meine Erfahrungen mit der Warré-Beute", finde ich. :wink: 
    Ich hasse nix mehr, als a) telefonieren und b) über ein beliebiges Topic keine Bücher zu finden, resp. im Internet ins Leere zu laufen. Sowas nervt.
    Also werd ich dich wohl noch öfters mit Fragen behelligen und sehr gespannt deine Betriebsweise verfolgen. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen