Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Honig rühren
Harald Feinauer
01.05.2002, 21:40
Hallo an alle,
ich bin derzeit dabei, meinen letzten Honig aus dem Jahr 2001 zu verarbeiten. Dieser ist im Eimer festgeworden. Diesen taue ich im Waschkessel auf und rühre ihn. Wie lange bzw. wie oft muß ich das tun, genügt einmal? Wird der Honig dann wieder fest, wenn er nicht in Gläser abgefüllt und verwertet wird?
drohne2000
02.05.2002, 18:24
Hallo Harald,
der Honig wird nach dem auftauen sicher wieder fest werden. In dedem Fall solltest du nach der neuen Ernte deinen Honig rühren, egal ob du ihn sofort abfüllst, oder aber in größeren Gebinden einlagerst. Ungerührter Honig wird nach dem Auftauen immer etwas körnig bleiben.
In jedem Fall solltest du den Honig nicht verflüssigen.
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Mit freundlichem Imkergruss
Dieter Luft
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: drohne2000 am 2002-05-02 18:32 ]</font>
drohne2000
02.05.2002, 18:28
Hallo Harald,
die Meinungen, wie lange und wie oft Honig gerührt werden sollte, gehen sehr auseinander. Den besten Erfolg (cremigen, aber nicht überrührten Honig) hast du meines Erachtens, wenn du deinen Honig nach dem Schleudern impfst. Alte Honigbestände vorausgesetzt.
honigmayerhofer
02.05.2002, 18:57
Hallo Harald,
am einfachsten ist das Honigrühren einige Tage nach der Ernte, du kennst dies selber, wenn der Honig anfängt nicht mehr ganz klar zu sein und einen leichten Grauschleíer bekommt, dann musst du mit dem Rühren beginnen. Jeden Tag einige Minuten mit 40 -100 U/min nicht mehr, sonst ist er überrührt, würde dir bei einer Honigbewertung schnell offenbart, du siehst es dann selber, wenn nichts mehr geht mit rühren, weil er zu hart wird. Wenn du dann den Honig später einmal wieder verflüssigst mittels geeigneter Hilfswerkzeuge und noch einmal durchrührst , bleibt normalerweise die zuletzt eingestellte Konsistenz. Ich mache z.B.die Hälfte des Blütenhonigs gerührt und die andere Hälfte ungerührt, damit ich auf die Kundenwünsche eingehen kann. Alter Honig kann beim Rühren Probleme machen, weil er sich nicht streichfähig rühren lässt, dann sollte ihn man mit einem schon gerührten Honig impfen. Mach bitte deine Kunden immer mittels Beschreibung oder einem mündlichen Tip darauf aufmerksam, dass Honig immer warm gestellt werden muss, ich habe schon genug Kunden gehabt, die über den Imkerhonig schimpfen und ihn dabei in den Kühlschrank stellen.
Viel Spass bei der "Rührerei".
Patrick Weiskorn
20.05.2002, 14:32
Hallo Harald
Ich "taue" meinen Honig auch auf, und habe damit sehr gute Erfolge.
Ich habe letzte Jahr aus Zeitgründen angefangen, meinen Honig nicht mehr zu dem Zeitpunkt abzufüllen, an dem der Honig "gut" ist, sondern an dem Wochende wann ich mal wieder Zeit hatte.
So ist mir der Honig in den Hobbocks hart geworden, und war nicht mehr abfüllfähig.
Ich habe versucht, den Honig in der Anfangsphase des Kristallisierens zu rühren, und dann hart werden lassen.
So "taue" ich meinen Honig wieder auf:
In ein leeren Hobbock werden zwei Holzleisten und ein Aquariumheizer eingelegt. Der Aquariumheizer ist auf ca 32°C eingestellt. ( vorher ausprobiert ). Der leere Hobbock wurde dann ein wenig mit Wasser gefüllt, und das Thermometer mit Strom versorgt.
Der volle Hobbock kommt dann in der leeren und wird auf die Holzleisten gestellt. ( Sie dienen nur dem Schutz des Heizers )
Ich fülle dann Wasser auf, das dann bis zum unteren Rand des vollen Hobbocks reicht.
Dieses Gebilde stelle ich dann in eine Decke gehüllt in die Ecke, und lasse es etwa 24 Stunden stehen.
Danach kommt der Rührer für etwa 5 - 7 min zum Einsatz, und der Honig Abfüllfertig.
Der Honig ist nach dieser Auftauprozedur nur im unteren Bereich weich geworden. Oben drauf ist er noch fest. Nach dem Rühren hat er eine gute Konsistenz, und wird auch im Glas wieder
fest, nur nich so fest, wie er vorher im Hobbock war.
Keine Angst beim Honigauftauen. Man sollte nur auf die Temperaturen aufpassen. ( Beim Aquariumheizer ist ein Überhitzung aber nicht möglich )
Viel Spaß.
Patrick
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Imker im schönen Lipperland
<font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Patrick Möbius am 2002-05-20 14:34 ]</font>
Ich habe mir zum Aufweichen es Honigs einen Wärmeschrank gebaut.
Einfach einen alten Kühlschrank besorgen und die Kühlflüssigkeit entsorgen. (Einfach bei einem Elekobetrieb nachfragen.
In den Kühl(Wärme)schrank habe ich denn eine Heizung mit Thermostat eingebaut (z. B. Frostwächter).
Thermostat auf 38°C einstellen.
Man kann dann den Honigeimer mit dem festen Honig in den Wärmeschrank stellen und nach 1-2 Tagen ist der gesamte Honig fertig zum Abfüllen. :smile:
Ein weiterer Vorteil ist, dass man auch abgefüllte Gläser in den Wärmeschrank stellen kann. So hat man immer "flüssigen" Honig auf Vorrat. Der Wärmeschrank hält die Temperatur hervorragend, so dass die Heizung nach dem Aufwärmen kaum benötigt wird (minimaler Stromverbrauch !) :smile:
Die "Bau-Kosten" für solch einen Wärmeschrank sind auch minimal. Einen defekten Kühlschrank bekommt man normalerweise bei jeden Elektro-Betrieb kostenlos, dann ein bisschen Kabel und z.B. einen Frostwächter (ca. 20 EUR), das wars!
Viel Spass beim Bauen.
Alfred Pietzsch
30.06.2002, 13:07
Hallo Ihr
Kennt von euch niemand eine Methode, wie manzu früh kandiertem Honig die Griesigkeit austreiben kann.
Außerdem was ist unter "überrührt" zu verstehen?
Gruß Alfred Pietzsch
Thomas Hädrich
02.07.2002, 10:13
Die Griesigkeit wird wohl bleiben. Um die Zuckerkristalle zu zerstören müßtest Du sie auflösen oder schmelzen. Beides willst Du mit Sicherheit Deinem Honig nicht zumuten.
Thomas
Hallo! Als Jungimker gehe ich ja gerne den Dingen auf den Grund. Ich habe ca. 80 kg Frühtrachthonig (zumeist Obstblüte) und 80 kg Sommerhonig (Robinie und meist wohl Linden-Blatthonig) im Keller stehen und rühre fleißig. Nun ist mein Keller nicht sehr kalt. Von beginnender Kristallisation nichts zu sehen. Ich möchte nun gerne verstehen, was ein guter Zeitpunkt zum Rühren ist? Der Honig aus der Frühtracht ist immerhin seit vielen Wochen flüssig. Zuckerkristalle zu zerschlagen macht nach meiner Vorstellung Sinn, wenn sie sich bilden. Davon ist aber nichts zu sehen - macht rühren trotzdem sinn - und warum eigentlich? Ein ähnliches Problem stellt sich mit dem Sommerhonig. Wenn ich auf das beginnende Kristallisieren warten will muß ich wohl noch bis zum nächsten Jahr warten... Oder macht eine Woche Rühren jetzt einen Effekt...
Reinhard Janke
16.08.2002, 06:45
Hallo Markus
Wie schon weiter oben beschrieben wäre es empfehlenswert den Honig mit einem feicremigen Honig zu impfen, dann erreichst du die Kristallisation schneller. Ich nehme dazu bei einem 40 kg Hobbock gerne so 1 kg leicht angewärmten Rapshonig und rühre den unter.
Wenn du mit dem rühren wartest bis du Kristalle siehst, dann ist es zu spät dann habensich schon grobe Kristalle an den Wänden und am Boden des Hobbocks gebildet und die bekommst du durch das rühren nicht mehr klein.
Mit imkerlichen Grüßen
Reinhard
Habe heute im Bienenjournal einen Beitrag des imkers Woköck gelesen, welcher mich wieder zum Zweifeln bringt.Ich bin wie bekannt erst seit 2 Jahren Imker und sauge alles Neue in mich hinein. Bisher Las ich zum Thema Honig schleudern, daß der Honig nach dem Schleudern abgeschäumt wird und sodann gerührt wird, damit sich die Kristalle zerschlagen, und der Honig schön cremig in die Gläser abgefüllt werden kann, wo er in diesem Zustand verbleibt. Nun lese ich, daß der Verfasser des Artikels "Die Ernte" Oktober seinen Honig nicht rührt, sondern sogleich abfüllt. Dadurch würden sich keine zuckerkristallkeime bilden. Durch das Rühren würde der Geschmack verändert und der Enzymgehalt würde sich verringern.
Was ist nun richtig ?
Harzbiene
30.09.2002, 19:56
Hallo Forelle,
laß Dich nicht irre machen!
Wenn 3 Imker beieinander stehen, erhälst Du fünf verschiedene Antworten zur selben Sache.
Du machst das schon richtig.
Herzliche Grüße
Harzbiene
honigmayerhofer
30.09.2002, 20:47
Nun lese ich, daß der Verfasser des Artikels "Die Ernte" Oktober seinen Honig nicht rührt, sondern sogleich abfüllt. Dadurch würden sich keine zuckerkristallkeime bilden. Durch das Rühren würde der Geschmack verändert und der Enzymgehalt würde sich verringern.
Was ist nun richtig ?
Hallo Forelle,
man möchte meinen, dass du schon die Faschingszeitung erwischt hast. Wenn du den Blütenhonig, sofern du grössere Mengen hast, nach der Ernte gleich in Gläser abfüllst, dann braucht der Kunde Hammer und Meißel zum Honigessen. Meine besten Erfahrungen habe ich immer damit gemacht, dass der Honig nach der Ernte gerührt wird und dann so in den Eimern verbleibt. Wenn jemand bei mir Honig bestellt, wird der Honig vom Eimer ins Glas abgefüllt, bei Bedarf evtl. kurz in die Micro gestellt, aber wirklich nur sehr kurz, höchstens 15 -20 Sek., damit er nicht überhitzt, dann wird er umgerührt, er ist dann sehr schön streichfähig, ich befürchte auch bei dieser kurzen Erwärmphase keine Hitzeschäden. Der Kunde bekommt einen Beipackzettel, auf dem er ersucht wird, den Honig an einem wärmeren Ort aufzubewahren und nicht in den Kühlschrank zu stellen, solche Kunden hatte ich auch schon. Auf dem Beipackzettel wird außerdem auf die Vorzüge des dt. Blütenhonigs in gerührter Form hingewiesen u.s.w. Das Rühren zu einem späteren Zeitpunkt, also nicht gleich nach der Ernte finde ich persönlich als etwas schwieriger, die passende Konsistenz zu erreichen. Mein alter Imkernachbar berichtete mir gestern ganz stolz, seit er den Honig auf meinen Hinweis hin rührt, hat er soviel Absatz, dass ihm der Honig ausgeht, früher musste er ihn immer dem Großhandel für ein Butterbrot überlassen. Mich hat es auch gefreut, dass wenigstens einer der alten Imker mal einen Rat von mir annimmt. Aber lb. Forelle, du kannst es am Besten selbst testen, wenn du im nächsten Jahr, gleich nach der Ernte einige Gläser abfüllst, lass dich überraschen.
Na, nun bin ich doch wieder verwirrt. Zum Honigrühren habe ich verstanden: Honig rühren in der Zeit, wenn sich Kristalle zu bilden beginnen. Diese werden dann zerschlagen und das führt zu einer angenehmeren Kristallisation. Da müßte dann die Rührerei gleich nach dem Schleudern sinnlos sein, oder?
Mein Frühtrachthonig beginnt erst jetzt damit - das ist Monate nach der Ernte.
Und was mache ich mit dem Sommerhonig (Akazie mit Lindenblüten und viel Linden-Tau-Honig?) Dürfte ja erst nach Weihnachten zu kristallisiern beginnen?
Ich habe das, was da physikalisch im Honig geschieht noch nicht verstanden. Ich rühre Honig einige Tage nach der Schleuderung um ihn zu "homogenisieren" - das leuchtet mir ein. Dann würde ich wieder rühren, wenn er zu kristallisieren beginnt. Aber ob ich den Termin genau treffe? Oder bilden sich die Kristallstrukturen unmerklich und unsichtbar und müssen schon dann zerschlagen werden?
Hilfe!
Honig rühren.
Warum man frischen Honig rühren soll, sehe ich nicht ein. Bei mir ist immer so viel Raps dabei, dass es absolut nichts nützt. Ob gerührt oder nicht, nach 3 Tagen beginnt die Kandierung. Das habe ich alles schon erprobt. Meine Honigmengen stammen von 2 bis 6 Völkern und den fülle ich in etwa 10 Kg Portionen ab. Nach Bedarf taue ich immer nur einen Eimer auf. Dazu verwende ich einen Kühlschrank, dem ich das Kühlaggregat ausgebaut habe und heize ihn mit 2 Lampen á 40 W, in Reihe geschaltet ! Dazu ein kleiner Lüfter und basta.
Nach 24 Stunden ist der Honig zwar nicht flüssig aber so weich, dass ich ihn rühren kann. Mit einem Thermometer kontrolliere ich zusätlich. Es funktioniert bestens.
Gruß
Hermann
toyotafan
02.10.2002, 22:36
Hallo Markus,
du hast das ganz richtig verstanden, dann wenn sich die Kristalle bilden ist der richtige Moment dafür. Wie bei Hermann kann das eben gleich nach dem Schleudern sein, oder eben erst sehr viel später. Wie du den Zeitpunkt dafür am Besten findest ist ganz leicht, du nimmst wärend dem Schleudern oder kurz nach dem Homogenisieren eine Probeglas voll aus dem Gebinde. Wenn diese Probe anfangt leicht zu trüben dann ist der Richtige Zeitpunkt fürs Cremigrühren da. Es ist der Traubenzuckergehalt dafür Verantwortlich, ob Honig schnell oder langsam Kandiert. Ist dagegen der Fruchtzuckeranteil sehr hoch, bleibt der Honig lange, oft sehr lange (bis zu einem Jahr) flüssig, wie es z.B. bei Akazie, Linde und manchen Tauhonigen der Fall ist. Bei diesen Honigen lohnt sich rühren nicht. Die verkauft man besser flüssig.
@ Hermann
wenn du den Honig richig rührst, dann läßt er sich auch besser (schneller) verflüssigen, was wiederum schonender für den Honig ist. Denn ohne rühren wird der meiste Honig (Auch der mit viel Rapsanteil) eben Stein hart, und das ist nicht gut. Wenn aber dein Honig ( mit viel Rapsanteil) auch ohne Rühren schön Cremig ist, dann überprüfe mal den Wassergehalt. Denn in der Regel ist dann der Wassergehalt recht hoch!
Grüße
Thomas Hädrich
16.10.2002, 11:04
Hallo Ihr,
die weit verbreitete Annahme, durch Rühren werden die Zuckerkristalle zerschlagen, ist flasch. Die auftretenden Kräfte reichen dazu einfach nicht aus. Durch Rühren wird das Wachstum der Kristalle gebremst, es entstehen mehr Kristalle.
Meine Beobachtungen zeigen folgendes: Wird Honig gleich nach dem Abschöpfen abgefüllt, bleibt dieser viel länger flüssig als die gerührte Partie (meine Frau liebt ungerührten Honig, deshalb wird für sie eben ein Teil abgezweigt). Fazit - Rühren fördert auch die Kristallbildung. Ich fange mit dem Rühren so früh wie möglich an.
Späte Honige, die meist sehr langsam kristallisieren, braucht man wirklich nicht zu rühren. Habe ich das mit "Ernte Oktober" richtig gelesen?
Für den Honig ist es optimal, ihn sofort nach dem letzten Rühren, da ist er zähflüssig, gleich in die Verkaufsgebinde abzufüllen - so erleidet er keine einzige Erwärmung.
Geschmacklich unterscheiden sich gerührter und ungerührter Honig deutlich. Ich bezweifle, daß der Geschmachsunterschied nur durch die mit der Zunge gefühlte Körnigkeit hervorgerufen wird - es sind mehr Unterschiede.
Grüße, Thomas
Lieber Thomas Hädrich. Diese Erklärung leuchtet mir eher ein, als die mit dem Zerschlagen der Honigkristalle. Hast Du jemanden gefunden, der das mit der Kristallbildung untersucht hat oder ist das Ergebnis Deiner Beobachtungen?
Thomas Hädrich
21.10.2002, 18:27
Hallo Markus,
es ist so eine Mischung aus vielem. Lange Zeit betrieb ich Festkörperphysik - weiß also etwa, wie fest ein Kristall ist. In den letzten Jahren betrieb ich Strömungsmechanik - weiß also, wie groß die Scherkräfte in einer Flüssigkeit sind. Da ist nichts mit Kristallzerstörung. Weiterhin wird in der Einkristallzüchtung aus der Lösung auf minimale Strömung geachtet - Rühren ist das genaue Gegenteil.
Auf den Seiten der Zuckerindustrie habe ich leider nichts zur Herstellung des Kristallzuckers gefunden, wäre interessant gewesen.
Was meine Beobachtungen sind, schrieb ich oben.
Grüße, Thomas
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